Schluss mit Ausreden! Fotografieren bei schlechtem Wetter ist kein Problem. Du musst dich nicht in die Wohnung zurück ziehen. Du musst kreativ werden!

In meiner Zeit auf Island hatte ich viel schlechtes Wetter. Manchmal habe ich mich drinnen eingemümmelt. Irgendwann schaue ich raus und sehe das Spektakel, dass ich gerade verpasse. Natürlich ärgert mich das. Damit du in der gleichen Situation weißt, was du mit dem Wetter anfangen kannst habe ich diese Liste für dich zusammengestellt. Keine Ausreden mehr bei schlechtem Wetter drinnen zu bleiben!

Alles was du zum Fotografieren bei schlechtem Wetter wissen musst

Was du bei schlechtem Wetter fotografieren kannst

Fotografen sind seltsam. Einen blauen Himmel finden wir langweilig. Wir freuen uns über Wolken. Besser sind Gewitterwolken. Je schlechter das Wetter, desto besser die Fotos. Du musst nur wissen, was möglich ist. Werde kreativ!

Während des Unwetters

Einen Regen zu fotografieren ist nicht leicht. Du musst dich entscheiden, ob du Regentropfen oder Schnürregen haben willst. Für Regentropfen brauchst du kurze Verschlusszeiten, für Schnürregen längere. Spiele mit der Verschlusszeit. Am besten kannst du Regentropfen auf einem Foto sehen, wenn du bei Gegenlicht fotografierst. Merke dir: Wenn du den Regen mit eigenen Augen schlecht sehen kannst, dann wird deine Kamera es nicht leichter haben.

Island

Kein Regen, aber bei einem Wasserfall das gleiche Prinzip: Lange Verschlusszeiten für Schnüre.
ISO 100 · 12mm · f/8 · 1/2s

Die Stimmung bei schlechtem Wetter fotografieren

In meinem Camper hatte ich auch Tage mit miesem Wetter. Dank Camper kannst du praktischerweise im Trockenen bleiben und gleichzeitig die Gegend erkunden. So bin ich auf dem Weg zu meinem Schlafplatz durch Nebel gefahren, die einem dichten Dampfbad gleichten. Dabei haben sich einige Gelegenheiten für schöne Fotos ergeben. Nebel sind die perfekten Stilmittel für mystische Fotos. Achte auf den Fokus. Dieser hat oft Probleme mit Nebel. Im Zweifel fokussiere manuell.

Island

Nebel in Verbindung mit den starken Lichtern der Gewächshäuser stellt diese Brücke wunderbar heraus.
ISO 100 · 82mm · f/8 · 15s

Der Augenblick nach schlechtem Wetter fotografieren

Bei meinem ersten Ring-Road-Trip auf Island sind wir durch die Westfjörde gefahren. Wir hatten viel Regen und Sturm. Wenn es aufhörte zu regnen erwartete uns das schönste Schauspiel von allen. Vor uns präsentierte sich die Ruhe nach dem Sturm. In ähnlicher Form auch vor dem Sturm. Gehst du erst nach dem Unwetter raus, verpasst du diese Momente. Auch Regenbögen siehst du am wahrscheinlichsten kurz vor und nach einem Unwetter.

Island

Ist das Unwetter gerade vorbei, erwarten einen oft eine der schönsten Lichtspiele.
ISO 200 · 12mm · f/8 · 1/500s

Island

Auch Regenbögen siehst du vermutlich eher kurz vor oder nach einem Unwetter.
ISO 200 · 9mm · f/8 · 1/60s

Die Umgebung nach schlechtem Wetter fotografieren

Nach einem Unwetter hat sich alles in Spiegel verwandelt. Viele schütteln sich in diesem Moment die Regentropfen vom Leib und sind froh, dass es vorbei ist. Such nach Reflektionen auf dem Boden oder in Pfützen. Verändere deine Position! Warte mit dem Abschütteln der Regentropfen. Nutze sie für ein paar Fotos.

Island

Die bereits vereisten Reflexionen des letzten Unwetters dienen als Reflexion der Skulptur.
ISO 100 · 12mm · f/8 · 1/200s

Island

Ohne Regentropfen in der rechten Scheibe würde dem Bild etwas fehlen.
ISO 200 · 25mm · f/3.2 · 1/200s

Island

Der See im Vordergrund ist eigentlich nur eine Pfütze des letzten Regenschauers.
ISO 100 · 12mm · f/8 · 1/8s

Werde kreativ

Bei schlechtem Wetter kannst du oft nicht die „typischen Bilder“ machen. Die Postkartenmotive. Das hat den Vorteil, dass du kreativ werden musst. Eigene Ideen entwickeln musst. Lass dich treiben und experimentiere. Wenn du dich aufraffst und raus in das Unwetter gehst, wird es dir die Muse mit ein paar schönen Bildern danken.

Wie du dich darauf vorbereitest bei schlechtem Wetter zu fotografieren

Du hast es geschafft! Dich trotz des schlechten Wetters aufgerafft. Du bist mit deiner Kamera in der Hand freudestrahlend nach draußen gehüpft. Glückwunsch! Du bist einen Schritt weiter. Nach 10 Minuten bist du wieder drinnen. Du bist frustriert, stink sauer und kurz davor zu heulen. Du bist klatsch nass und dir ist kalt. Deine Kamera hat den Geist aufgegeben. Das muss nicht sein!

Eine gute Vorbereitung macht das Leben leichter. Wenn dir kalt ist oder du nass bist schweifen deine Gedanken ab. Du wünschst dich nach Hause. Denkst an die warme Dusche. Die warme Wohnung. Du machst schnell ein paar Fotos und dann ab nach Hause! Schade um die schönen Fotos, die du hättest machen können. Die Muse spielt da nicht mit! Damit du konzentriert bleibst musst du für dich sorgen. Damit du nicht endest wie in meiner kleinen Geschichte, habe ich noch ein paar Tipps für dich.

Schwaches Licht bei schlechtem Wetter

Durch den bedeckten Himmel ist das Licht schwach. Du brauchst längere Verschlusszeiten. Außer Faulheit gibt es keinen Grund ohne Stativ los zu ziehen. Es muss kein großes Stativ sein. Auch ein Einbein hilft schon. Ich habe manchmal nur mein Gorillapod* dabei.

Warm oder kalt?

Wenn dir kalt ist kannst du dich nicht konzentrieren. Gleiches gilt, wenn du dich um den Verstand schwitzt. Habe die passenden Klamotten dabei. Im Zweifel eine zusätzliche Schicht in deinem Rucksack. Die Leistung von Akkus leidet bei Kälte. Packe bei kaltem Wetter mehr ein. Verwahre den Ersatzakku an einer warmen Stelle nah am Körper. Bei starken Temperaturwechseln musst du auf die Kamera aufpassen. Sie kann beschlagen und Feuchtigkeit ansetzen. Das ist das Letzte, was du in deiner Kamera willst. Dafür gibt es eine Lösung.

Bei mir kommt die Kamera in einer Tasche mit nach draußen. Dort bleibt sie ein paar Minuten, bis sich die Tasche an die Temperaturen angepasst hat. Wenn ich rein gehe, mache ich das Gleiche. Die Kamera bleibt in der Tasche. Ich lasse sie sich langsam an die Temperaturen gewöhnen. Die Speicherkarte habe ich im Kalten heraus genommen oder lasse sie in der Kamera, bis sie sich an die Temperatur angepasst hat. So gibt es langfristig keine Probleme wegen Feuchtigkeit in deiner Kamera.

Schutz vor Nässe

So wie du eine Regenjacke anziehst, solltest du deiner Kamera den gleichen Komfort spendieren. Ich habe einfache Regenschutztüten für die Kamera*. Sie sind günstig, leicht und schützen die Kamera optimal bei Regen.

Späten Ärger vermeiden

Bei einer Schlechtwetter-Tour habe ich auf Island eine Kirche entdeckt. Im Nebel eine wundervoll mystische Wirkung. Um alles Scharf zu bekommen habe ich die Blende geschlossen und eine Panorama-Aufnahme gemacht. Zurück am Computer habe ich mich geärgert. Ich habe die Bilder vor Ort nicht gecheckt. Die Nachbearbeitung macht keinen Spaß, wenn du einen Haufen Regentropfen bei einer Panoramaaufnahme wegstempeln musst.

Wenn es regnet passiert es schnell, dass ein paar Tropfen auf die Vorderseite des Objektives kommen. Was dir bei offener Blende nicht auffällt, sticht deutlich ins Auge, wenn die Blende der Kamera geschlossen wird. Beim Blick durch den Sucher schaust du auf das Bild bei offener Blende. Regentropfen fallen nicht so stark auf. Damit du dich nicht ärgerst, wenn du die Tropfen am Computer siehst, prüfe die Frontscheibe vor jedem Foto und schütze die Kamera.

Ein einfacher Schutz ist die Streulichtblende. Diese hält einen Teil der Tropfen von deinem Objektiv ab. Bei starkem Regen wird dir das nicht helfen. Packe dir Taschentücher und ein Mikrofasertuch ein. Das Mikrofasertuch saugt die Feuchtigkeit nicht gut auf. Wenn es richtig regnet oder du im Sprühregen eines Wasserfalls stehst, ist dieses schnell klatschnass. Trockne das Objektiv mit einem Taschentuch ab. Mach es anschließend mit deinem Mikrofasertuch sauber.

Island

Noch immer kann man ein paar Regentropfen sehen. Hätte ich die Linse sauber gehalten, wäre dies ein wundervolles Bild.
ISO 800 · 12mm · f/8 · 3.2s

Kurz zusammengefasst:

  • Packe ein Stativ ein.
  • Ziehe die richtigen Klamotten an.
  • Sei vorsichtig mit deiner Kamera bei Temperaturwechseln.
  • Habe einen Regenschutz für deine Kamera dabei.
  • Überprüfe regelmäßig, ob sich Regentropfen auf der Frontscheibe befinden.

Schluss mit Ausreden

Von diesem Moment an ist schlechtes Wetter kein Grund mehr drinnen zu bleiben. Welche Tipps hast du um dem schlechten Wetter zu trotzen?

Verrate uns deine Tipps!

Jetzt geh raus in den Sturm und fotografiere! Ist das Wetter gut wünsche ich dir trotzdem viel Spaß.

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Abschließend noch ein paar Links zu weiterführenden Themen oder Seiten, die ich angesprochen habe.

Alle Beiträge von Island

Technischer Kram

Bei meinen Fotografien kommt verschiedenste Ausrüstung zum Einsatz. Bei den hier gezeigten Aufnahmen habe ich die folgende Ausrüstung verwendet:

3 Kommentare

  • […] alles was man zum fotografieren bei schlechtem Wetter wissen […]

  • Jo sagt:

    Hallo Niklas,

    schöne Tipps, vielen Dank dafür.
    Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber deine Bilder gefallen mir größten Teils sehr gut.
    Eine Frage habe ich jedoch, warum benutzt du so viele verschiedene Cams? Testest du noch durch oder woher kommt diese große Auswahl?

    Liebe Grüße

    Jo

    • Niklas sagt:

      Hallo Jo! Danke für das Lob. Freue mich dass du schreibst und über deine Frage. Dass dir alle meine Bilder gefallen hätte ich dir auch nicht geglaubt. Würde ich niemandem glauben ;) dafür sind Geschmäcker zu verschieden.

      Was die Kameras an geht: Aktuell besitze ich noch eine DSLR (Canon EOS 50D). Auf meiner Reise habe ich diese allerdings nicht dabei. Hier trage ich eine Olympus OM-D EM-1 und eine Olympus PEN E-PL7 mit mir. Die PEN nutze ich, wenn die Große mit Timelapsing beschäftigt ist oder ich einfach nur etwas kleines und unauffälligen dabei haben will. Beide Kameras haben die gleiche Bildqualität und – das ist der Sinn an dem ganzen – benutzen die gleichen Objektive.

      Die Canon habe ich vermutlich nur noch aus nostalgischen Gründen. Aber auf der Reise wie gesagt nicht dabei.

      Einen etwas detailliertere Artikel über meine Entscheidung für die Olympus findest du hier: http://www.tripaphy.com/kaufentscheidung-spiegellose-systemkamera-fuer-die-weltreise/

      Ich hoffe ich hab dir mit dieser Antwort geholfen? Bis bald und ich würde mich freuen wieder von dir zu hören :)

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