Ein Kalkwerk. Ein altes, längst verlassenes Kalkwerk. Dies ist der Ort an den wir uns in meinem heutigen Artikel begeben und mit dem ich eine Artikel-Serie starten möchte. Nur warum und worum geht es?

Mit meinem Artikel über den alten Flughafen Berlin-Tempelhof wollte ich zeigen, dass man nicht bis ans andere Ende der Welt reisen muss um fotogene Orte zu finden. Von meiner Heimatstadt Aachen aus gesehen liegt Berlin allerdings auch nicht gerade im Vorgarten. Also dachte ich mir, schaue ich einmal in die direkte Umgebung und Erkunde meine Heimat: Das Dreiländereck, die Grenzregion an der sich Holland, Belgien und Deutschland treffen. Den Anfang macht eine alte Kalkwerk-Ruine direkt hinter der belgischen Grenze in der Nähe des Wohnortes in dem ich in meiner Kindheit und Jugend gelebt habe.

Eine unbekannte Ruine

Seit ich denken kann und dort hingezogen bin existiert diese Ruine. Das sind inzwischen schon weit über 20 Jahre die das Gebäude leer steht. Sobald die Menschen einen Ort verlassen, nimmt sich die Natur zurück was ihr genommen wurde. Bäume wachsen in mehreren Metern Höhe auf dem Dach der Ruine. Das gesamte Bauwerk ist von Moos und Schlingpflanzen überzogen. Auf Karten findet man es nur, wenn man weiß, wo man suchen muss. Es gibt wenige bis keine Fotos von der Ruine auf den üblichen Geo-Foto-Plattformen. Das hat den Effekt, dass sie bisher weitestgehend unentdeckt und von Vandalismus verschont geblieben ist. Das würde ich auch gerne dabei belassen. Wer wissen will, wo man sie findet, kann mich fragen und ich verrate es vielleicht. Eine für mich goldene Regel in der Fotografie von Landschaften und verlassenen Orten: Verlass den Ort so, wie du ihn vorgefunden hast. Hält sich leider nicht jeder dran.

Ein erster Rundgang

Hinter und in der Ruine findet man Graffitis verschiedener Art. Ein Herz ist ja noch ganz nett, aber ein Hakenkreuz hat hier nichts zu suchen. Es war aber schon ein intelligenter Mensch da, der es direkt um den einfachen Zusatz einer roten Linie erweitert hat. Wenn ich Hakenkreuz-Schmierereien sehe könnte ich manchmal echt kotzen, denn ich bin mir sicher, dass einige der Verursacher nicht wirklich wissen, was sie da an eine Wand krakeln. “War doch nur ein Scherz!” hört man dann. Ich will mich aber nicht länger darüber aufregen, sondern weiter das Kalkwerk erkunden.

In der Ruine sollte man ein wenig vorsichtig sein. Das Gebäude hat seine besten Zeiten lange hinter sich und wie es mit verlassenen Gebäuden so ist, ist es vermutlich auch nicht mehr so ganz sicher. Ein Schild am Eingang weißt Dezent darauf hin, dass es nicht ganz ungefährlich ist diese Ruine zu betreten. Ich schaute mich weiter vorsichtig in und um das Gebäude herum um. Es gab viele schöne Elemente für potentielle Fotos.

Eine lösbare Situation

Vermutlich vom Morgentau tropfte es an verschiedenen Stellen in der Ruine von der Decke und vom Dach. An einer Stelle im Gang ist dadurch eine Pfütze entstanden, die mir als Teil meiner Bildkomposition sehr gelegen kam.

Für die Fotografen unter euch: Wenn ihr ein Motiv nicht komplett mit einem Bild aufnehmen könnt, dann stellt eure Kamera auf ein Stativ und macht mehrere sich überlappende Aufnahmen. Diese könnt ihr dann später mit einem entsprechendem Tool zu einem großen Bild zusammensetzen. Diesem Thema kann man allerdings ganze Bücher widmen. Paddy von Neunzehn72 beschäftigt sich viel mit dem Thema Panoramafotografie. Bei ihm könnt ihr euch gut in das Thema einlesen. Aber genug abgeschweift und weiter geht es hinter die Ruine.

Auf der Rückseite der Ruine fand ich ein paar alte Steinblöcke. Von was für einem Teil des Kalkwerks dies die Überreste sind, konnte ich nicht erkennen.


Wieder zurück in der Ruine kann man von der Seite in die Öfen gucken. Gebrannt hat da drin aber schon lange nichts mehr. Da es früher Nachmittag war, schien die Sonne von oben in den Ofen rein. Dies erzeugte ein fast schon mystisches Licht auf einem Haufen Blätter, die es geschafft haben den Winter hier zu überstehen.

Bei Motiven wie diesem mit starken Kontrasten wird es eventuell schwer alle Bereiche des Bildes ohne Ausbrennen in einem einzigen Bild machen zu können. Was hilft ist eine Belichtungsreihe mit verschieden langen Belichtungszeiten. Viele Kameras bieten heutzutage die Möglichkeit sich anzeigen zu lassen, ob Bereiche ausgebrannt sind und damit keine Detailinformationen enthalten. Bei meiner Olympus heißt der Anzeigenmodus “Shadows & Highlights”. Wenn euer Bild solche Bereiche nicht aufweist, müsst ihr nicht zwingend eine Belichtungsreihe machen. Aber auch diesem Thema wird ein kurzer Absatz nicht gerecht. Wer sich dafür interessiert, wird Blogbeiträge dazu im Internet finden. Ich selber habe darüber bisher nichts geschrieben, sorry!

Ein Blick zurück

Mein Leben lang wohne ich schon in dieser Region. Vor knapp 20 Jahren sind wir in das Haus gezogen und seit dem kenne ich diese Ruine. Seit einigen Jahren fotografiere ich und bin immer auf der Suche nach neuen Motiven. Wieso mir diese Ruine nie in den Sinn gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Was lerne ich daraus? Man sollte viel öfter durch die Welt gehen und die Umgebung die man kennt bewusster wahrnehmen. Dadurch, dass wir unsere Heimat sehr gut kennen, übersehen wir oft die schönen Dinge, die sie zu bieten hat. Also Kopf hoch beim Spazieren gehen und mit offenen Augen die Welt um sich herum betrachten. Auch die Heimat ist schön und fotogen. An meinen Weltreise-Plänen wird diese Erkenntnis allerdings auch nichts mehr ändern.

Ich glaube auch, dass dies nicht mein letzter Besuch des Kalkwerks war. Ich bin mir sicher, dass zu einer anderen Jahreszeit das Gebäude nochmal einen ganz anderen Charme ausstrahlt. Ich bin froh, dass die Ruine bisher weitestgehend von Randalierern verschont geblieben ist und hoffe sie bleibt es weiterhin. Wer sich auf die Suche macht und mit offenen Augen spazieren geht, wird sie aber im Vorbeigehen sicherlich nicht übersehen. Bevor ich gehe werfe ich nochmal einen Blick zurück und mache ein Foto des gesamten Bauwerks mit der gerade noch über die Kante scheinenden Sonne.

Dies ist also der Anfang meiner Serie “Fotogenes Dreiländereck” und ich denke ihr stimmt mir zu, dass das alte Kalkwerk sehr fotogen ist. Kommt ihr aus der Region und kennt fotogene Orte, die man nicht verpassen darf? Über eure Tipps und Empfehlungen würde ich mich freuen. Bis dahin gehe ich selber weiter auf die Suche und bin bestimmt bald mit weiteren Beiträgen für diese Serie zurück. Wer nichts verpassen will: Am Besten gleich zum Newsletter anmelden!

Technischer Kram

Bei meinen Fotografien kommt verschiedenste Ausrüstung zum Einsatz. Hier die Liste der für diese Fotografien verwendeten Ausrüstung:

Könnte dich interessieren

Abschließend noch ein paar Links zu weiterführenden Themen oder Seiten, die ich angesprochen habe.

Hinterlasse einen Kommentar