Du bist nicht allein!

Wenn du hier bist, dann hast du es vermutlich geschafft! Du hast dir deinen Traum erfüllt und endlich wunderschöne Polarlichter fotografiert.

Oder aber, du bist dabei deine erste spannende Reise zu planen, um Polarlichter zu sehen.

Meine geliebten Polarlichter. Dieses Phänomen, welches für mich persönlich zu einer der beeindruckendsten Naturschauspiele und Erlebnisse überhaupt zählt.

Oder auch: Nordlichter, Südlichter, Aurora Borealis, Aurora Australis, Königin Aurora. Die Namen sind so vielfältig wie ihre zauberhafte Erscheinung, meinen jedoch alle die leuchtenden Polarlichter auf der Nord- oder Südhalbkugel.

Beim Fotografieren von Polarlichtern und auch der Bildbearbeitung von Polarlichtern kann jedoch vieles schiefgehen und du hast berechtigterweise Angst davor, nicht das Beste aus dieser – eventuell einmaligen – Chance zu machen.

Das kenne ich nur zu gut!

Im Rahmen meiner Weltreise war ich drei Monate auf der Insel von Feuer und Eis: Island. Dort habe ich mich sehr über meine ersten eigenen Fotos von Nordlichtern gefreut.

Die enttäuschende Ernüchterung kam dann, als ich die Bilder an meinem Laptop betrachtet habe.

Ich wusste einfach nicht, wie ich ein gutes Foto von Polarlichtern mache und wie ich in der Bildbearbeitung mit der Unmenge an Einstellungen umgehen sollte.

Seit dem sind einige Jahre vergangen und ich habe die Polarlichter im hohen Norden glücklicherweise noch einige Male fotografieren können.

Damit du das Beste aus deiner Chance Polarlichter zu fotografieren herausholen kannst, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Polarlichter fotografieren

Den Anfang macht immer ein Foto.

Um in der Nachbearbeitung das Beste aus deinem Foto herausholen zu können, solltest du wissen, wie du Polarlichter richtig fotografieren musst.

Kameraeinstellungen um Polarlichter richtig zu fotografieren

Deine genauen Einstellungen hängen ganz von der Aktivität der Polarlichter ab. Da wir hier nicht die Grundlagen der Fotografie besprechen wollen, lasse ich das Basiswissen von Blende, Belichtungszeit und ISO aus und komme direkt zu den wichtigen Eckpunkten der Kameraeinstellungen:

  • Fotografiere in RAW, nicht JPEG. Nur dann kannst du in der Nachbearbeitung auch wirklich alles aus dem Bild herausholen.
  • Beachte die Geschwindigkeit, mit der sich die Polarlichter bewegen. Wenn diese sich besonders schnell bewegen, solltest du mit der Belichtungszeit nicht bis an die maximale Grenze gehen, da die schönen Schleier ansonsten zu einem ausgewaschenen Brei werden.
  • Nordlichter können heller sein, als du denkst. Achte bei deinen Einstellungen daher darauf, dass du keine Abrisse in den Spitzlichtern der Polarlichter hast.
  • Arbeite mit Offenblende (kleine Blendenzahl), um so viel Licht wie möglich einzufangen. Wähle die Belichtungszeit so lange wie unter Betrachtung des oben stehenden Hinweises eben nur möglich ist und passe dann den ISO so an, dass die Belichtung passt.
  • Versuche nicht die Helligkeit so einzustellen, dass es dir gefällt, sondern belichte so lange, dass du noch so gerade eben keine Abrisse in den Lichtern hast. Ein Blick auf das Histogramm kann dir dabei weiterhelfen. Diese Technik nennt sich „Expose-to-the-right“. Das Bild mag dir von der Helligkeit nicht perfekt vorkommen, ist es jedoch, wenn du bedenkst, dass du das Bild noch bearbeiten willst. So bekommst du die meisten Bildinformationen beim geringst möglichen Bildrauschen.

Bildkomposition für Polarlichter

Auch bezüglich der Bildkomposition gibt es einige Fehler, die gerne gemacht werden, wenn man Polarlichter fotografieren will.

Ich werde auch hier nicht auf die Grundlagen der Bildkomposition eingehen, sondern nur ein paar typische Fehler beim Fotografieren von Polarlichtern aufzählen.

  • Polarlichter sind schön. Ohne ein interessantes Motiv, dass sie in Szene setzt jedoch nur halb so viel wert. Achte darauf, dass du ein interessantes Motiv im Bild hast. Dies kann eine markante Bergkette oder Landschaft sein. Ein Motiv, das nicht zu sehr ablenkt und von den Nordlichtern betont werden kann.
  • Deine Kamera kann die Farben von Polarlichtern in der Regel deutlich besser sehen, als du mit bloßen Augen. Wenn du dir unsicher über deine Komposition bist oder ob du überhaupt gerade Polarlichter siehst, dann nutze das Liveview-Bild deiner Kamera.
  • Verschwende nicht zu viel Zeit damit deine Komposition auf die Nordlichter anzupassen. Polarlichter bewegen sich teilweise sehr schnell und verschwinden so schnell, wie sie kommen. Such dir daher eine schöne Komposition bevor die Polarlicht-Show losgeht und mache mehrere Bilder. Jedes Bild wird einzigartig sein, da sich die Nordlichter die ganze Zeit verändern.

Wenn du dann das richtige Ausgangsmaterial hast, kommt die Bildbearbeitung.

Bildbearbeitung von Polarlichtern

Gerade in der Astrofotografie – wozu ich das Fotografieren von Polarlichtern definitiv hinzuzähle – ist die Nachbearbeitung ein sehr wichtiger Teil des Prozesses.

Um zu erfahren, wie ich Nordlichter bearbeite, schau dir die unten stehende Folge meiner Videoreihe „Landschaftsfotografie RAW“ an.

In dieser zeige ich live, wie ich Nordlichter in Lightroom und Photoshop bearbeite und eine Technik um dem Sternenhimmel einen kleinen extra Kick zu verpassen.

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In dem Video zeige ich nur, was ich speziell für Polarlichter und Astrofotografie in der Bildbearbeitung mache. Die Stilisierung und das Finishing zeige ich in dieser Folge nicht.

Schauen wir uns die einzelnen Schritte des Videos an.

Schritt 1: Anpassung des Weißabgleich

Ich ziehe es vor mit einem möglichst farbneutralen Bild anzufangen und von da ausgehend meine Bildbearbeitung zu machen.

Beginne daher die Bearbeitung mit dem Weißabgleich des Himmels.

Um den Weißabgleich manuell einzustellen, nutze ich eine etwas spezielle Technik, die du im Video sehen kannst.

Schritt 2: Globale Korrektur in Lightroom

Im Anschluss erfolgen die globale Korrektur des Bildes.

Das Ziel der globalen Korrekturen ist es die Grundstimmung des Bildes zu erzeugen und das Bild für die lokalen Korrekturen vorzubereiten.

Mein Vorgehen ist dabei bei den meisten Bildern gleich. Die Technik nennt sich Dynamik-D, da in Lightroom die Anordnung der Regler für die Grundeinstellungen mit etwas Fantasie die Form des Buchstaben D ergibt.

Regler für Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz in Lightroom Classic CC. Die Anordnung hat in etwa die Form des Buchstaben D.
Die Grundeinstellungsregler in der Dynamik-D-Stellung. Mit etwas Fantasie, ergeben sie den Buchstaben D.

Ich empfehle immer, die Regler lieber etwas weniger stark anzuwenden, als du es gerne machen wollen würdest. In der Regel wendet man Korrekturen zunächst deutlich zu stark an.

Wenn in deinem Motiv Stadtlichter sichtbar sind, wirst du diese auch verstärken. So wie du in meinem Video sehen kannst. Im Zweifel empfehle ich dir, dass du eine Korrektur der Polarlichter als lokale Korrektur auf die Bildbereiche der Polarlichter anwendest.

Schritt 3: Farbkorrektur der Polarlichter

Der nächste Schritt ist die geheime Zutat der Bildbearbeitung von Nordlichtern: die Anpassung der HSL-Werte der Nordlichter. In Lightroom ist das sehr bequem über den gleichnamigen Tab im Entwicklungsmodul möglich.

Farben bestehen immer aus drei Komponenten: Farbton, Sättigung und Luminanz. Wenn du diese drei Werte verstehst, dann kannst du jede Farbe in deinem Bild so korrigieren, dass sie deiner Vorstellung genau entspricht.

Welche Farben du wie stark anpasst, ist persönlicher Geschmack und auch von den jeweiligen Nordlichtern abhängig. Welche Regler ich in diesem Fall verwende, kannst du einfach dem ersten Video oben entnehmen.

Auch hier gilt wieder: Weniger ist in der Regel mehr!

Schritt 4: Lokale Bildkorrekturen

Der nächste Schritt geht weg von den globalen Korrekturen hin zu gezielteren Korrekturen von Bildbereichen.

Das wichtigste ist es, keine Korrekturen ohne Intention zu machen. Jede Anpassung am Bild sollte das Ziel haben, das Motiv deines Bildes hervorzuheben und die Bildstimmung zu betonen.

Verwende keine Einstellungen und Techniken nur, weil du es aus irgendeinem Fotorezepte-Buch gelernt hast. Das ist okay zum Üben, aber wenn du deine eigenen Bilder nach DEINEM Geschmack bearbeiten willst, lerne die Grundlagen.

Wenn du verstehst, warum du einen Schritt in deiner Bildbearbeitung machst, dann kannst du deinen eigenen Stil entwickeln und nicht nur den Stil anderer kopieren. Dann brauchst du nie wieder Presets, außer eventuell deiner eigenen.

Schritt 5: Bildschärfen und Rauschreduzierung

Bevor ich das Bild nach Photoshop schicke um noch ein paar Feinschliffe zu machen, wende ich in der Regel schon eine leichte Schärfung und Rauschreduzierung auf das Bild an.

Während Rauschen am besten in gleichmäßigen Flächen sichtbar ist, kommt Schärfe in Stellen mit Details zum Einsatz. Daher solltest du bei der Einstellung der jeweiligen Werte auch auf die entsprechenden Bildbereiche achten.

Dabei solltest du dich an der 100%-Ansicht des Bildes orientierst und nicht auf ein kleines Vorschaubild verlassen.

Das Ergebnis in der 100%-Ansicht muss nicht butterweich aussehen. Ein geringes Bildrauschen in der Vollansicht zu sehen ist vollkommen akzeptabel, wirkt auf den Betrachter natürlich und ist in einer verkleinerten Version des Bildes kaum noch zu sehen.

Schritt 6: Feinschliff in Photoshop

In Photoshop beginnt die künstlerische Arbeit.

Wie viel dir hier zu viel ist, ist Geschmacksache. Achte auch hier wieder darauf, dass du nichts machst, nur weil du gelesen hast, dass es so geht. Mache jeden Schritt bewusst und mit einer Intention.

In diesem Fall arbeite ich das Leuchten der Sterne noch weiter heraus. Die Technik hierfür ist relativ einfach und wird von mir in dem Video etwas näher erklärt.

Durch diese Technik entsteht ein Leuchteffekt um die markantesten Sterne herum.

Wie vorhin schon erwähnt: Kopiere Techniken nicht blind. Mache dir Gedanken darüber ob und wann sie sinnvoll einzusetzen sind.

Schritt 6: Finales Beschneiden

Ich habe in dem Video das Bild schon vor der Übertragung nach Photoshop beschnitten. Häufig mache ich diesen Schritt allerdings auch erst nach der Bearbeitung in Photoshop.

Beim Beschneiden solltest du darauf achten, dass sich keine störenden Elemente am Bildrand befinden oder diese gar angeschnitten werden.

Am Beispiel des Bildes in meinem Video: Die Hütte unten links im Bild wird entweder komplett aus dem Bild abgeschnitten oder aber das Bild so beschnitten, dass die Hütte nicht halb im Bild ist. Ansonsten fällt diese Bildstelle viel zu sehr auf.

In meinem finalen Bild habe ich es mir sogar erlaubt, die Hütte komplett aus dem Bild zu retuschieren.

Das Ergebnis meiner Polarlichtfotografie

Nach ein paar weiterer kleineren Anpassungen, lande ich bei meinem Ergebnis.

Wie viele Anpassungen du machst und wie weit du von der Realität abweichen willst, ist dir überlassen.

Häufig sind diese vielen kleinen letzten Anpassungen jedoch wie die Schokostreuseln auf dem Eis: Jedes für sich macht keinen Unterschied, aber die Summe dieser kleinen Teile hat einen großen Einfluss auf das Endresultat.

Das ist auch der Teil, der am meisten deiner kreativen Freiheit überlassen ist und am meisten Spaß macht.

Mein Ergebnis vom Polarlichter fotografieren über den Bergen von Abisko in Schweden.

Polarlichter fotografieren im Schnelldurchlauf

Fassen wir zusammen, was wir in diesem Artikel gelernt haben, um erfolgreich Polarlichter zu fotografieren:

  • Arbeite mit gutem Ausgangsmaterial. Denn wenn du ein schlechtes Bild bearbeitest, machst du es in der Regel nur schlimmer.
  • Beginne mit globalen Korrekturen, um die generelle Bildstimmung herauszuarbeiten.
  • Nutze lokale Bearbeitungen, um gezielt einzelne Bildbereiche zu betonen.
  • Pendel Schärfe und Rauschreduzierung im Bild aus.
  • Eine weitere Bearbeitung in Photoshop, kann die Bildaussage des Ergebnisses nochmal verdeutlichen.
  • Der Feinschliff am Ende ist das, was deinem Bild deine persönliche Note gibt und vor allem deinem Geschmack entsprechen sollte.
  • Am wichtigsten jedoch: Habe Spaß bei alldem, beim Fotografieren und beim Bilder bearbeiten. Genieße es auch einfach und schau dir die Nordlichter mit deinen eigenen Augen an, wenn du schonmal die Chance dazu hast.

Starthilfe für die Bildbearbeitung von Polarlichtern

Ich habe es oben kurz erwähnt, dass du keine Presets von anderen Fotografen mehr brauchst, wenn du alle Einstellungsmöglichkeiten und Parameter in der Bildbearbeitung verstanden und verinnerlicht hast.

Um dir jedoch eine Starthilfe zu geben oder falls du dich erstmal nur auf das Fotografieren konzentrieren möchtest, findest du in meinem Mitgliederbereich ein Preset als Starthilfe für die Bildbearbeitung von Nordlichtern.

Wenn du noch kein Mitglied meiner Community bist, dann kannst du hier kostenlos Mitglied werden und bekommst die Zugangsdaten per E-Mail zugeschickt.

Und vergiss nicht: Wenn du schon das Glück hast Polarlichter mit eigenen Augen sehen zu dürfen, dann genieße die beeindruckende Show einfach auch mal mit eigenen Augen und nicht nur durch die Kamera.

Nun wünsche ich dir viel Spaß mit deinen Polarlichtbildern.

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