Wie weit darf Fotobearbeitung gehen? Was ist erlaubt in einer Zeit in der du am Computer mit wenigen Handgriffen aus einem langweiligen Foto erstaunliche Kunstwerke zaubern kannst? Und was hat Schulz von Thun damit zu tun?

Fotobearbeitung - Wie viel ist zu viel?

Auf meiner Wunschliste steht schon lange der Punkt “Artikel zu ‘Was darf Bildbearbeitung?'”. Das Thema wird sehr stark diskutiert. Die Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Den Aufruf zur Blogparade von Reisen-Fotografie.de sah ich als gute Gelegenheit diesen Artikel zu schreiben. Die Frage ist nicht leicht zu beantworten und stark vom persönlichen Geschmack abhängig. Andere können vollkommen anderer Ansicht haben. Darüber hinaus werde ich mich in dem Artikel auf Landschaftsfotografie beschränken.

Bevor ich auf die Ausgangsfrage “Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?” eingehe, möchte ich eine wichtige Unterscheidung machen.

Fotografie oder digitale Kunst?

Die Unterscheidung zwischen Fotografie und digitaler Kunst ist für mich maßgeblich für die Antwort auf die Frage, was Fotobearbeitung darf. Doch wo genau besteht der Unterschied zwischen Fotografie und digitaler Kunst?

Eine einfache Erklärung wäre es, dass eine Fotografie die Realität wiedergibt. Als Fotograf wähle ich jedoch den Ausschnitt, lasse bestimmte Elemente bewusst außerhalb des Sichtfeldes und wähle die richtige Zeit für das beste Licht. Welchen Teil der Realität der Betrachter zu sehen bekommt bestimme ich. Weder das Foto direkt aus der Kamera noch das entwickelte Foto geben meiner Meinung nach die Realität wieder. Höchstens einen Ausschnitt der Realität.

Ich glaube der Übergang von Fotografie zu digitaler Kunst ist fließend. Die Grenze wird von jedem woanders gesehen. Schon alleine bei der Frage, ob Color-Grading in Ordnung ist, scheiden sich die Meinungen. Auch je nach Genre, ist die Grenze eine andere. Was als Fotografie im Allgemeinen in Ordnung ist, muss es nicht für den World Press Award sein.

Ich habe nicht den Anspruch eine Landschaft zur Berichterstattung ohne jegliche Bearbeitung abzulichten. Für mich macht es Sinn die Grenze zwischen Fotografie und digitaler Kunst an dem Umfang der Bearbeitung festzulegen.

Problemlos festlegen lassen sich für mich zwei Grenzen. Ich denke die meisten werden mir zustimmen, dass

  • alle unbearbeiteten Fotos direkt aus der Kamera unter “Fotografie” fallen (ausgenommen Spezialeffekte, bei denen die Kamera die Nachbearbeitung übernimmt)
  • alle Arbeiten, denen eine Verfälschung anzusehen ist, zu “digitale Kunst” gehören.

Zu letzterem zähle ich das Hinzufügen von Effekten, egal ob Lensflares oder Nebel. Ebenso Composings aller Art, auch wenn man guten Composings die Bearbeitung nicht ansehen muss. Dazu zählt für mich bereits das Austauschen eines Himmels durch einen interessanteren.

Dass ich es nicht zu Fotografie zähle, heißt nicht, dass mir diese Arbeiten nicht gefallen. Sie sind für mich jedoch keine Fotografien.

Übrig bleibt eine Grauzone über die man streiten kann. Wo innerhalb dieser Grauzone die Grenzen liegen, das ist für mich die Kernfrage. Kurz gesagt: Alles ist digitale Kunst, was in der Nachbearbeitung über eine Fotografie hinaus geht. Womit das Problem noch nicht gelöst ist und wir zur Ausgangsfrage kommen.

Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

Durch die Unterscheidung zwischen Fotografie und digitaler Kunst lässt sich die Frage für digitale Kunst schnell beantworten: Alles!

In der digitalen Kunst gibt es keine Grenzen. Alles ist erlaubt, was mich zur Verwirklichung meiner Vision führt.

In der Fotografie sehe ich die Grenze deutlich enger. Wo genau die Grenze liegt hängt nicht nur von meinem Geschmack sondern auch vom Motiv, Genre und dem Zielmedium ab. Für eine Teilnahme am World Press Photo Award sind die Grenzen andere, als für diesen Blog.

No-Go: Elemente hinzufügen und entfernen

Dies ist mein einziger Punkt in dem ich kompromisslos bin. Sobald ich meinem Foto Elemente hinzufüge, ist für mich Schluss. Für Werke, die sich “Fotografie” nennen ist das definitiv ein No-Go. Dazu zählt auch schon der besagte Austausch eines Himmels.

Über das Entfernen von Dingen lässt sich wiederum streiten. Ich finde es in Ordnung, solange es sich um einen unwesentlichen Eingriff in das Foto handelt. Darf ich ein übersehenes Stück Müll oder Sensorflecken auf der Kamera entfernen? Ich denke schon.

Fotobearbeitung gegen Kameraschwächen

Alle Bearbeitungen, die Schwächen der Kamera ausgleichen finde ich in Ordnung.

Nehmen wir eine Belichtungsreihe. Eine Serie unterschiedlich heller Fotos desselben Motivs. In der Nachbearbeitung werden die gut belichteten Bereiche der Fotos zu einem Foto zusammengefügt. Diese Technik ist notwendig, wenn der Unterschied zwischen hellstem und dunkelstem Bereich des Fotos zu groß ist. Moderne Kameras können einen geringeren Umfang ablichten als unsere Augen es können.

Stell dir vor du stehst vor einer im Schatten liegende Landschaft und fotografierst gegen die Sonne. Auf deinem Foto ist entweder der Himmel weiß oder der Vordergrund schwarz. Wenn du direkt hin guckst kannst du jedoch Details in beiden Bereichen erkennen. Eine Belichtungsreihe kann dieser Kameraschwäche entgegenwirken.

Den Ausgleich solcher Schwächen durch entsprechende Techniken in der Nachbearbeitung ist für mich kein Problem.

Aufhellen und Abdunkeln zur Motivbetonung

Oft wird behauptet, dass die analoge Fotografie noch echt und unverfälscht ist. Doch auch in der Dunkelkammer kann man viel an einem Foto verändern. Eine viel verwendete Technik ist das Abdunkeln und Aufhellen bestimmter Bildbereiche. Dadurch kannst du bestimmte Bereiche im Foto betonen. In der digitalen Fotografie gibt es diese Technik ebenfalls. Für mich im Normalfall kein Problem.

Island

Neben der Schwarz-Weiß-Umwandlung wurde an diesem Foto hauptsächlich mit Dodge&Burn gearbeitet um den Wasserfall und den Berg im Hintergrund zu betonen. Durch die Menge dieser Bearbeitung jedoch ein Foto, dass sich für mich schon am äußersten Rand meiner Grenze befindet.

Globale Grundeinstellungen

Alles globalen Änderungen an meinen Fotos, die sich beispielsweise in Lightroom in den Grundeinstellungen abspielen sind bei mir erlaubt.

Farben, Farben und nochmals Farben

Ich habe prinzipiell kein Problem mit Farben zu spielen. Ob eine Schwarzweiß-Umwandlung oder ein Color-Grading. Beide sind für mich im Rahmen des Erlaubten.

Das Umfärben von Bildelementen wiederum nicht. Einen blauen Himmel rot färben oder einen grünen Sommerbaum in einem herbstlichen Gelb erstrahlen lassen. Das sind wieder Techniken, die ich der digitalen Kunst zuordne.

Die Grauzone

Für alle oben genannten Dinge gilt für mich eines: Alles was übertrieben angewendet wird hat in der Fotografie nichts zu suchen. Wenn ich eine Menge unwesentlicher Dinge verändere, können sich diese zu einem großen Teil des Fotos ändern. Ein kleines Stück Müll entfernen? Ok! Einen ganzen Strand voll Müll retuschieren? Wohl eher nicht! Ein Color-Grading kann einem Foto den letzten Schliff geben. Wenn es hingegen übertrieben wird, ist es auch fehl am Platz. Das gleiche gilt für übertriebenes Aufhellen und Abdunkeln von Bildbereichen.

Wenn du ein Foto bearbeitet hast, mache eine Pause und veröffentliche das Foto nicht sofort. Schau dir dann das Foto nochmal an. Oft werden dir noch Dinge auffallen oder Veränderungen zu stark vorkommen. Eine gute Faustregel ist, dass ein kleines bißchen weniger oft mehr ist.

Am Ende ist vieles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für mich ist das einzige absolute No-Go das Hinzufügen von Bildelementen. Jede Änderung, die ich mache sollte die schon vorhandene Bildaussage verstärken und unterstützen, nicht dem Foto eine neue Aussage hinzufügen.

IlhaGrande

Bei diesem Foto habe ich einen Linsenfleck in der Silhouette weg retuschiert. Ein unwesentlicher Eingriff in das Foto, der mit etwas mehr Zeit auch vor Ort problemlos hätte gelöst werden können.

Das Vorurteil der Fotobearbeitung

Oft wird jegliche Fotobearbeitung schnell als Verfälschung der Realität verurteilt. Schnell kommt die Frage, ob “das denn wirklich so ausgesehen” hat.

In der Fotografie gehört die Entwicklung eines Fotos dazu. Es ist ein Teil des Prozesses und in der Regel nicht wegzudenken. In der digitalen Fotografie findet diese Entwicklung am Computer statt. Das senkt für viele die Hürde, wodurch es immer mehr fotobegeisterte Menschen gibt. Es erhöht jedoch auch die Menge an Schindluder, die betrieben werden kann.

JPEG vs. RAW

Zur Diskussion der Nachbearbeitung gehört immer auch die Gegenüberstellung von JPEG und RAW. Alle die in JPEG fotografieren, keine Nachbearbeitung am PC machen und sagen “Ich mach keine Nachbearbeitung!”, die muss ich leider enttäuschen. In diesem Fall macht die Kamera die Entwicklung für dich. Sie macht die Entwicklung des Fotos und aus den Rohdaten ein JPEG.

Das Problem ist, dass die Kamera die Einstellungen entscheidet. Du hast weniger Kontrolle über das Ergebnis, als bei einer eigenen Entwicklung des Fotos. Wenn du ein JPEG mit einem unbearbeiteten RAW vergleicht, dann wirst du unterschiede feststellen. RAWs sind oft flacher und lebloser als ihre JPEG-Versionen.

Damit ist RAW jedoch nicht immer die richtige Wahl. Wenn du dich nicht mit der Bearbeitung am PC beschäftigen willst, empfehle ich dir in JPEG zu fotografieren. Viele Kameras unterstützen auch RAW und JPEGs gleichzeitig zu erstellen. Wenn du deine Meinung doch noch änderst, hast du die RAWs somit zur Verfügung.

Für mich ist JPEG vs. RAW wie “Entwicklung im Einzelhandel” vs. “Entwicklung in der eigenen Dunkelkammer”: Beides hat seine Vorteile, ersteres ist definitiv einfacher und schneller. Bei letzterem hast du jedoch wesentlich mehr Kontrolle darüber, dass das Ergebnis so aussieht, wie du es gerne hättest.

Was hat Schulz von Thun nun damit zu tun?

Oh Gott was für ein Satz… “Thun… nun… tun”… ach egal. Weiter im Text…

Fotografie ist eine Art der Kommunikation. In der Schule habe ich das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun kennengelernt. Meine Deutschlehrerin wäre jetzt sicherlich stolz auf mich! Dieses besagt unter anderem, dass die Teilnehmer einer Kommunikation das Gesagte auf unterschiedliche Art interpretiert können – oder in diesem Fall das fotografierte.

  • Der Fotograf interpretiert die Szene vor Ort und wählt auf Grund seiner Interpretation die Einstellungen und den Bildausschnitt.
  • Wenn die Nachbearbeitung nicht durch den Fotografen erfolgt, wird erneut interpretiert. Dadurch kann ein ganz anderes Ergebnis raus kommen, als es der Fotograf sich vorgestellt hat. In einem Experiment wie dem von Reisen-Fotografie.de entstehen daher selten zweimal die gleichen Ergebnisse. Jeder Teilnehmer hat die Szene auf seine Weise interpretiert.
  • Die Betrachter interpretiert das Foto ebenfalls. Sie haben eigene Erfahrungen im Leben gemacht und ticken auf ihre Art. Ihnen gefallen andere Dinge als dir. So ist die Welt zum Glück. Jeder hat seinen eigenen Kopf. Deswegen haben wir eine so bunte Welt.

Durch diese mehrfache Interpretation kann die von dir gewünschte Aussage, die Motivwahl oder die Menge der Nachbearbeitung komplett an dem vorbei gehen, was anderen gefällt. Als Fotograf solltest du dir daher zuerst einmal selbst die Frage stellen, was dir gefällt und wo deine Grenzen sind. Frag nicht immer zuerst nach den Meinungen anderer.

Fazit

Was meine eigene Fotobearbeitung an geht versuche ich mich eher an der unteren Seite der Grauzone zu bewegen. Wenn ich von einer “Fotografie” rede (und das tue ich bisher bei allen meinen Arbeiten), dann ist das Einfügen von Elementen das einzige absolutes No-Go.

Man sollte jedoch auch nicht zu schnell urteilen. Was nach viel Photoshop aussieht kann auch in einem Projekt entstanden sein, in das jemand eine unglaubliche Menge an Kreativität, Vorbereitung und Talent investiert hat. Ein gutes Beispiel dafür sind die Arbeiten von Benjamin von Wong.

Das Eis ist doch nicht wirklich so blau! - Das hört man bei Fotos aus Eishöhlen immer wieder. Ich kann euch beruhigen: Es ist tatsächlich so blau und auch ich war beim ersten Mal darüber etwas erstaunt.

Es gibt viele gute Fotografen und sogenannte “digital Artists”, die erstaunliche Arbeiten zustande bringen. Sie haben alle meinen vollsten Respekt und meine Anerkennung. Viele ihrer Arbeiten finde ich großartig und unglaublich kreativ. Ich finde es nur schade, wenn man seinen Betrachtern gegenüber nicht offen und ehrlich ist. Daher bin ich immer offen, was die Bearbeitung angeht und erzähle meine Entstehungsgeschichten. Ich möchte dir zeigen, was hinter den Kulissen passiert.

Am Ende bleibt die Menge der Nachbearbeitung persönlicher Geschmack.

Wie meistens ist es nicht schwarz oder weiß, sondern 50% grau.

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Wie stehst du zum Thema Fotobearbeitung? Warst du ein absoluter Gegner und konnte ich dich überzeugen, dass Fotobearbeitung nicht immer Teufelswerk ist? Oder bist du leidenschaftlicher Photoshop-Künstler und ich konnte dich überzeugen, dass weniger manchmal mehr ist? Was auch immer deine Ansicht ist, sie würde mich brennend interessieren.

Was hältst du von Fotobearbeitung?

10 Kommentare

  • […] Wie viel ist zu viel?- Niklas von Tripaphy […]

  • Thomas sagt:

    Moin Niklas,

    Danke für diesen tollen Artikel zu unserer Blogparade.

    Und ich kann diesem auch noch zu 100% zustimmen. Er trifft ganz genau meine Meinung, auch was das Entfernen oder Hinzufügen von Bildelementen angeht. Wobei das Wegstempeln von Sensorflecken natürlich in die Kategorie, ausbessern von technischen Schwächen der Kamera gehört.

    Toll finde ich Deinen Hinweis am Ende, auf die Digital Artists. Ich habe da man witzige Diskussion im Netz verfolgt, wo die Puristen nicht Müde wurden Fotos als Montagen zu brandmarken. Selbst als dann die Fotografen die RAW-Dateien veröffentlich haben, waren die Zweifler nicht ruhig. Dabei gibt es Menschen, wie Du richtig schreibst, die mit einem unglaublichen Aufwand faszinierende Bilder in der Kamera entstehen lassen.

    LG Thomas

    • Niklas sagt:

      Hallo Thomas,

      freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Du hast natürlich recht und die Sensorflecken passen mehr zu den technischen Schwächen der Kamera, als zum tatsächlichen Entfernen von Elementen.

      Der von mir nur knapp angesprochene und von dir erwähnte Punkt ist mir tatsächlich sehr wichtig. Ich glaube es gibt eine Sache, welche die öffentliche Meinung über Fotobearbeitung so intensiv negativ geprägt hat: Die Verblendung die oftmals stattfindet. Ich bin vollkommen einverstanden damit, wenn ein Künstler zur Erreichung seiner Vision intensiv in die Trickkiste greift. Ich finde man sollte nur so ehrlich sein und dann auch dazu stehen. Ich versuche – jetzt mal übertrieben – meine Schwarzweiß-Fotografie ja auch nicht als Bleistiftzeichnung darzustellen und behaupte ich sei einfach ein genialer Zeichner (oder noch besser: Wende einen “Bleistiftzeichnungs-Effekt” auf mein Foto an und behaupte ich hätte es von Hand gemalt).

      Ich finde ein offener und ehrlicher Umgang mit der Fotobearbeitung ist wichtig um das negative Bild los zu werden, das die Fotobearbeitung hat – und damit auch gute Fotografie, da ihr oft erst einmal unterstellt wird, es sei doch nur alles Photoshop. Daher bewege ich mich auch in meinen Arbeiten in dem im Artikel erwähnten Rahmen und falls doch einmal nicht, mache ich das klar deutlich.

      Danke für diese wunderbare Blogparade :)

      • Thomas sagt:

        Der offene Umgang ist, wie Du richtig sagst, das A und O auf dem Weg zur Akzeptanz. Daher kam auch die Idee zu der Blogparade. Es ist doch eine prima Möglichkeit seine Einstellung zu dem Theme zu offenbaren. Das machen in meinen Augen viel zu wenig Fotografen. Ich frage mich manchmal, wovor haben die eigentlich Angst? Mir hat noch niemand vorgehalten, dass ich meine Bilder bearbeite und meinen Stil dabei durchziehe, weil ich das immer offen und ehrlich kommuniziere. Natürlich gibt es Menschen, denen meine Bilder nicht gefallen aber das ist kein Problem und deren gutes Recht.

        Daher finde ich alle Blogs, so wie Deinen hier auch, gut die offen mit dem Thema umgehen und dann auch noch Tipps für andere geben. Dabei entwickelt man sich auch selber weiter.

        LG Thomas

  • Hallo Niklas,
    alles ist erlaubt was gefällt und seiner persönlichen Vision näher bringt. Diese Aussage trifft den nagel auf den Kopf. Ist meiner Meinung nach eine geballte Mischung. Was hat der Fotograf in diesem Augenblick empfunden, was möchte er mit dem gemachten Bild aussagen. Kommt die Aussage so rüber, was sich der Fotograf in diesem Moment gedacht hat?! Welche Mittel sind von Nöten, einem Bild den letzten Schliff zu geben. Ich glaube, fragst Du zehn Fotografen, erhältst Du zehn verschiedene Antworten. Hinzu kommt auch, welchen Wissenstand hat der Fotograf. Befindet er sich noch in der Experimentierphase (da zähle ich mich selbst noch zu :) ). Hier probiert man ab und an schon mal was Extremes aus und warum nicht, wenn einen selbst das weiterbringt. Heute würde ich mich für manche Bilder Ohrfeigen, aber zum damaligen Zeitpunkt fand ich es gut. Aber ich tendiere immer mehr dahin, immer weniger zu machen und mehr nach Tageszeit zu arbeiten, welche Stimmung und/oder Kontraste ich vermitteln möchte.
    Viele Grüße
    André

    • Niklas sagt:

      Hallo André! Es ist tatsächlich so, dass die Vision an erster Stelle stehen sollte. Es ist immerhin eine Kunst. Ich würde sogar meine Differenzierung in “Fotografie” und “digitale Kunst” nach einem interessanten Meinungsaustausch auf Facebook etwas anders formulieren wollen: Im Prinzip ist mir die Unterscheidung nicht das wichtigste, sondern das offen damit umgehen, was man getan hat. Ist ja egal, wie man sein Kind nennt. Wichtig finde ich, dass man nicht verheimlicht, was getan wurde und sich ggf an moralische Richtlinien einer Branche (z. B. Reportage) hält.

      Ich finde jede Bearbeitung ok, solange der Künstler dazu steht. Gib mir ein “Jo, ich habe den Himmel ausgetauscht!” und schon ist mir das halbwegs egal.

      Und herum experimentieren ist super. Solange man nicht sagt “Neeeee! Das kam so aus der Kamera!” :) Der eine mag es extremer als der andere, ich mag es – und bin da ganz bei dir – weniger ist oftmals mehr :)

      Danke für deinen Kommentar :)

  • […] lesenswert ist auch der Beitrag von Niklas von tripaphy.de. Mit seiner Meinung geh ich ziemlich konform. Außerdem zeigt er wirklich großartige […]

  • […] Zum Artikel von Niklas: https://www.tripaphy.com/fotobearbeitung-blogparade/ […]

  • Werner Meier sagt:

    „Fotografie“ insinuiert etwas von Realität, Wahrheit, Echtheit. Aber was ist schon Wahrheit: Die Realität heute morgen oder jene von heute nachmittag, ihr Auge oder meins, das damalige Farbempfinden des Malers oder der automatische Weissabgleich heute, Zellulose oder RAW, … ? Wahrheit ist unsere Interpretation und der Konsens darüber. Ein Bild, ob aus eines Malers, Videokünstlers oder eines Fotografen Händen, zeigt sie höchstens annähernd – und bestenfalls jene, die der Urheber gesehen hat.

    Die Skala Fotografie – Digitalkunst ist ein möglicher, grober Massstab, um Bilder zu klassieren: realitätsnäher vs. -ferner (ob das auch die Bearbeitungsintensität einschliesst, bleibt offen). Feinere Unterteilungen, was wo erlaubt ist, sind allerdings schon nicht mehr so eindeutig oder allgemeingültig, (Beispiel: Fotobearbeitung gegen Kameraschwächen), und dazu sehr individuell und diskutabel. Sind Fotografie und Digitalkunst überhaupt gegensätzlich oder zumindest: Wozu überhaupt eine Unterteilung ? Für einzelne Diskussionen kann das sinnvoll und weiterführend sein, vielleicht auch für Möchtegerns, die sich unbedingt „Photographer“ nennen möchten. Doch für allgemeine Texte und Diskussionen bringt diese Skala keinen Mehrwert.

    Selber bevorzuge ich eher die Arbeit (inkl. „Bearbeitung“) am Motiv als jene vor dem Bildschirm. Meine eigene, eher pragmatische Konklusion: Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild. Punkt. Die seriöse Betrachtung von Bildern erfordert ohnehin eine Auseinandersetzung mit dem Urheber und dessen Gründe, weshalb er das Bild so und nicht anders gestalten wollte. Es gefällt oder eben nicht . Und ob er sich nun Fotograf oder Digitalkünstler nennt, ist unerheblich. Der Einfachheit halber: Schreibt einfach „Fotografie“ drüber, wenn das Grundmaterial aus einer Kamera kommt.

    • Niklas sagt:

      Hallo Werner, ich freue mich über deinen Kommentar :)

      Nach ein wenig anregender Diskussion nach der Veröffentlichung dieses Beitrages stimme ich dir inzwischen zu: Die Unterscheidung nach Fotografie oder “digitaler Kunst” ist nicht wichtig. Die Frage ist allerdings, was in der Öffentlichkeit und bei denjenigen, die sich nicht intensiv mit Fotografie beschäftigen das Schlagwort “Fotografie” suggeriert. Ich würde unterstellen, dass es die Darstellung einer so existierenden Szene suggeriert. Zumindest in der Landschaftsfotografie.

      Für mich selber ist die Unterscheidung inzwischen nicht mehr wichtig. Wichtig ist mir Transparenz. Man muss nicht seine Tricks verraten, wenn man nicht will, aber man sollte auch nicht behaupten “Ja das war so!” wenn – und da kommt wieder mein typisches Beispiel – der Himmel ausgetauscht worden ist.

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