Schwere Kameraausrüstung herumzuschleppen verdirbt den Spaß an der Reisefotografie. Leichtes Gepäck für bessere Reisefotografie. So wirst du Last los.

Bessere Reisefotografie: Kameraausrüstung richtig packen

Bessere Reisefotografie hat nicht nur mit dem Fotografieren zu tun. Du musst dich vor allem wohl fühlen. Auf der Reise darf dir deine Kamera nicht zur Last werden. Eine schwere Ausrüstung verdirbt den Spaß und macht das Reisen umständlicher. Du wirst häufig deine Kamera im Zimmer oder Rucksack lassen. Eine Kamera die du nicht benutzt macht keine Fotos.

Wir wollen das Gewicht reduzieren ohne viel Qualität und Komfort zu opfern. Meine Methode ist für jedes Genre und Amateure sowie Profis geeignet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Amateure auf Reisen mit Kompromissen leben können. Profis werden Qualität über Gewicht stellen.

In jedem Fall kannst du dein Gewicht ohne große Verluste reduzieren. Ich zeig dir wie.

Die vollständige Liste

Breite gedanklich deine gesamte Kameraausrüstung vor dir aus. Entscheide, welche Ausrüstung mit auf deine Reise kommt. Hast du nur eine Kamera und ein Objektiv: Herzlichen Glückwunsch! Du darfst diesen Artikel überspringen und beides einpacken. Für alle anderen folgt ein Gedankengang ähnlich dem folgenden:

“Ich möchte vielleicht auch mal Portraits machen, also muss die Portrait-Festbrennweite rein. Natürlich auch das Teleobjektiv, denn vielleicht komm ich nicht so nah ran. Für weitläufige Szenen und Landschaftsfotografie brauch ich natürlich das Weitwinkel und das lichtstarke Allround-Objektiv, wenn ich vielleicht was weniger Licht habe. Ohne Stativ geht nicht, denn irgendwann will ich vielleicht auch Nachtaufnahmen machen. Alles muss rein!”

Ziemlich viele “vielleicht”. Besser auf alles vorbereitet sein, richtig? Wenn Gewicht egal ist, stimmt das.

Beim Reisen ist geringeres Gewicht immer ein Vorteil. Zuerst musst du allerdings einen Überblick über deine Fotoausrüstung bekommen. Mach dir eine vollständige Liste. In den nächsten Schritten wirst du eine Auswahl für die Reise treffen und die Liste deutlich reduzieren; ohne viel Qualität und Komfort einzubüßen.

IslandAnreise

Sei schlauer als ich auf meiner Weltreise: Pack nicht alles ein!

Die erste Auswahl

Du hast schon die Shotlist für deine nächste Reise erstellt, oder? Diese brauchst du für die Auswahl deiner Kameraausrüstung.

Mit der Ausrüstungsliste gehst du die Shotlist durch. Mache eine Strichliste. Ein Strich für jedes Teil, das du für ein Motiv benötigst. Dadurch bekommst du eine Übersicht, welche Ausrüstung für dich unentbehrlich ist. Verwahre diese Liste mit deiner Shotlist.

Vermutlich landet ein Großteil deiner Ausrüstung auf der Liste. Einige Dinge fliegen jetzt schon raus. Wähle die beste Ausrüstung. Achte nicht auf das Gewicht. Die Optimierung kommt als nächstes.

Die optimierte Auswahl

Suche nach Optimierungsmöglichkeiten. Beachte bei jeder Entscheidung, wie viel Qualität oder Komfort du opferst und wie viel Gewicht du einsparst. Wenn du Ausrüstung zusammenfasst, summiere die Striche für die ausgewählte Ausrüstung. Die folgenden Fragen helfen dir bei der Entscheidung:

  1. Objektive im ähnlichen oder gleichen Brennweitenbereich
    1. Wieso habe ich beide gewählt?
    2. Kann ich auf den Vorteil eines der beiden Objektive verzichten?
      Beispiel: “Ich habe ein lichtstarkes 25mm f1.8 und ein schwächeres 12-24mm f2.8. Auf ersteres kann ich verzichten. In Extremsituationen muss ich den ISO erhöhen. Den Qualitätsverlust nehme ich in Kauf.”
  2. Zoom-Objektiv, die den Brennweitenbereich mehrerer Objektive abdecken
    1. Ist das Zoom-Objektiv leichter als die Summe der anderen Objektive?
    2. Ist das Zoom-Objektiv in anderen Werten (Blende / Qualität) schlechter?
    3. Kann ich diesen Verlust zum Vorteil des Gewichts in Kauf nehmen?
      Beispiel 1: “Ich habe zwei schwere Festbrennweiten. Das leichtere Zoom-Objektiv ist lichtschwächer, jedoch muss ich das Objektiv seltener wechseln. Den Qualitätsverlust durch höheren ISO in Extremsituationen nehme ich in Kauf.”
      Beispiel 2: “Ich habe ein schweres Zoom-Objektives und zwei in der Summe deutlich leichtere Festbrennweiten im gleichen Brennweitenbereich. Ich verliere nur ein wenig Komfort durch den Zoom. Ich kann meine Beine benutzen um näher ran oder weiter weg zu gehen. Dass ich das Objektiv häufiger wechseln muss, nehme ich in Kauf.”
  3. Objektive mit überschneidenden Brennweiten-Bereich
    1. Für welche Fotos möchte ich diese verwenden?
    2. Wie viel geringer wird meine Gesamtbrennweite mit nur einem Objektiv?
    3. Welche weiteren Unterschiede haben die Objektive (Blende / Qualität)?
    4. Kann ich meine Beine benutzen um den Nachteil auszugleichen?
      Beispiel: “Ich habe ein 9-18mm f4.0-5.6 und ein 12-40mm f2.8. Wähle ich nur das 12-40mm verringert sich meine Gesamtbrennweite um 3mm. Das Objektiv ist lichtstärker und wettergeschützt. Die fehlende Brennweite kann ich oft ausgleichen, indem ich etwas zurückgehe. Ist das nicht der Fall, nehme ich das zum Vorteil des Gewichts in Kauf.”
  4. Vergleichbare Kameraausrüstung, die leichter ist
    1. Besitze ich vergleichbare Ausrüstung, die leichter ist?
    2. Was sind die Unterschiede?
    3. Ist der Qualitätsverlust die Gewichtseinsparung wert?
      Beispiel 1: “Ich habe ein 7-14mm f2.8 und ein 7-14mm f4.0. Das lichtschwache Objektiv wiegt die Hälfte. Ich habe ein anders Objektiv für Nachtaufnahmen dabei, also nehme ich die kleinere Blende des leichteren Objektives in Kauf.”
  5. Ausrüstungsteile, die nur für wenige Fotos eingeplant sind
    1. Sind Ausrüstungsteile in der Liste, die nur für wenige Motive verwendet werden?
    2. Kann ich auf das Foto verzichten oder dieses mit mehr Aufwand mit einer anderen Ausrüstung umsetzen?
      Beispiel 1: “Ich habe ein schweres und ein kleines, leichtes Stativ zur Verfügung. Die Aufnahmen mit Stativ halten sich in Grenzen, daher wähle ich das kleine Stativ. Dieses kann ich immer in der Tasche mit mir tragen, so dass ich es auch häufiger verwende. Irgendein Stativ ist immer besser als keines.”
      Beispiel 2: “Ich habe ein Ultraweitwinkel-Objektiv und dieses nur für wenige Landschaftsaufnahmen eingeplant. Alternativ könnte ich in diesen Fällen mit einem anderen Objektiv eine Panoramaaufnahme machen. Die Bildcharakteristik wird nicht genau die gleiche sein, das Problem des Bildausschnitts jedoch lösen. Das klappt natürlich nur bei sich nicht bewegenden Motiven.”

Entscheide dich bewusst, begründet und nicht auf Vermutungen basierend für deine Ausrüstung. So bekommst du eine gute Auswahl für deine nächste Reise. Diese werden wir noch weiter optimieren.

Die Kleinteile

Liste fertig und los! Auf deiner Reise freust du dich über dein leichtes Gepäck. Irgendwie erscheint es dir zu leicht. Erschrocken stellst du fest, dass das Ladegerät, Akkus und Speicherkarten fehlen. Diese müssen natürlich auch noch ins Gepäck. Damit du nichts vergist, hier meine Checkliste für Reisen:

In deiner Auswahl sollte folgende Ausrüstung enthalten sein:

  • Kamera (entsprechend Auswahl)
    Eventuell eine zweite als Backup oder eine kleine unauffällige Kamera. Diese kannst du immer dabei haben oder für Aufnahmen verwenden, wenn die Hauptkamera beschäftigt ist.
  • Objektive (entsprechend Auswahl)
  • Blitze
    Auch bei Blitzen solltest du das Gewicht mit Akkus beachten und dich bewusst entscheiden, ob du einen Blitz (oder sogar mehrere) wirklich brauchst.
  • Stativ (entsprechend Auswahl)
    Oft reicht auch ein Mini-Stativ.

Unabhängig von der Auswahl und sofern vorhanden solltest du die folgende Ausrüstung immer dabei haben:

  • Filter
    Da sie kaum ins Gewicht fallen, wirst du in der Regel das komplette Set mitnehmen.
  • Objektiv-Reinigungsset
    Die Qualität der Bilder sollte nicht leiden, weil das Objektiv schmutzig oder nass ist.
  • Fernauslöser
    Neue Kameras bieten oft auch Apps für Smartphones.
  • Speicherkarten
    Kannst du nie genug haben. Gerade, wenn du keine Möglichkeit zur Mehrfach-Sicherung hast!
  • Akkus
    Für Kamera, Blitz und Fernauslöser
  • Ladegerät
    Bei verschiedenen Akkus und Ladegeräten lohnt sich die Anschaffung eines Universalladegeräts.

Die praxiserprobte Auswahl

Nichts ist beim ersten Mal perfekt. Mit deiner Ausrüstungsliste (und hoffentlich der darauf stehenden Ausrüstung) startest du deine nächste Reise. Im Laufe der Reise stellst du ein paar Dinge fest:

  1. Ausrüstung, die du kaum oder nie verwendest.
  2. Ausrüstung, die du oft vermisst und dir die Arbeit deutlich leichter gemacht hätte. Die Betonung liegt auf “oft”!

Notiere diese Feststellungen bei deiner Liste um sie für die nächste Reise weiter zu optimieren. Dabei ist die Art der Reise wichtig. Die erste Auswahl wird sich bei Städtereisen und Bergwanderungen deutlich unterscheiden.

Eine Möglichkeit gibt es noch um du dein Gewicht weiter zu reduzieren.

Der Systemwechsel

Im Mai 2014 habe ich eine Grand-Canyon-Rundreise gemacht. Zu dieser Zeit hatte ich noch ein Canon-DSLR-System. Mit dem Auto war das Gewicht kein Problem. Auf Spaziergängen war der Spaß schnell eingeschränkt.

Mir war klar, dass das auf meiner Weltreise nicht funktionieren würde. Ich habe mich für den Kauf eines spiegellosen Kamerasystems entschieden. Der Sensor des Olympus-Systems ist kleiner. Dadurch können die Objektive kleiner und leichter ausfallen. Eine Festbrennweite und ein Tele-Objektiv hatten mit unter 400 Gramm ein so geringes Gewicht, dass ich sie ohne nachzudenken eingepackt habe. Inzwischen verwende ich auf Reisen nur noch dieses Kamerasystem. Eine detaillierte Liste meiner Reiseausrüstung findest du auf der Ausrüstungsseite.

Nach dem Kauf habe ich meine Canon mit der Olympus verglichen. Allein der Größenunterschied ist enorm.

Der richtige Transport

Auf einer Reise ist neben dem Gewicht deiner Ausrüstung auch der komfortable Transport wichtig. Welcher Rucksack oder welche Tasche die richtige ist, hängt von deinem Geschmack ab. Bei einer Städtetour willst du vielleicht keinen Rucksack tragen; auf Wanderungen in den Bergen keine Umhängetasche.

Vor meiner Weltreise habe ich den Kamerarucksack von MindShift Gear gekauft. Für Städtetouren hatte ich eine Umhängetasche dabei. In diese passten Kamera und ein Objektiv.

MindShift_Rotation_180_Horizon_Review

Ein guter Rucksack trägt viel dazu bei, dass dir dein Gewicht nicht zur Last fällt. In Nepal hätte ich auf das große Stativ allerdings trotzdem verzichten können.

Die Kameraausrüstung für Reisen ist gepackt!

Bessere Fotos auf Reisen bedeutet mehr als gute Fotografie. Dazu kommen wir noch. 10kg herumzutragen macht keinen Spaß. Eine Kamera, die im Zimmer liegt macht keine Fotos.

Reduziere deine Ausrüstung und nimm geringe Qualitätsverluste und Komfortverluste in Kauf. Techniken der Nachbearbeitung können dir helfen und wenig Aufwand bedeuten, wenn du sie nur selten benötigst. Aktuelle Software ist geradezu genial in der Rauschreduzierung. Das kann dir das extra lichtstarke Objektiv ersparen. Panoramaaufnahmen setzt Lightroom mit ein paar Klicks zusammen und kann dir das Ultraweitwinkel ersparen.

Du hast deine Ausrüstung reduziert und gepackt. Deine Kamera ist bereit für die Reise. Dein restliches Gepäck sollte nach dem gleichen Prinzip gepackt werden. Tipps zum Packen bekommst du bei oneBag.com. Wem eine deutsche Seite lieber ist, empfehle ich als Basis Felicias Reise-Pack-Tipps und die umfangreichen Checklisten von Reisemeister.de.

Auf meiner Weltreise hatte ich zu viel Gepäck. Wäre ich meinen Ideen dieser Artikelserie gefolgt, hätte ich mir viel Anstrengung und Gewicht erspart.

Wie bereitest du dich und deine Kameraausrüstung für Reisen vor? Lieber mehr oder lieber weniger? Was sind deine Erfahrungen?

Teile deine Erfahrung

Die Infografik

Damit du nicht vor jeder Reise den kompletten Artikel lesen musst, habe ich eine schicke Infografik für dich.

[shariff headline=”Speichere die Infografik auf deiner Pinnwand:” services=”pinterest” media=”https://www.tripaphy.com/inhalt/uploads/2016/04/Bessere-Reisefotos-Kameraausrüstung-für-Reisen.jpg”]

Bessere Reisefotos - Kameraausrüstung für Reisen

3 Kommentare

  • Markus Matter sagt:

    Hallo Nik
    Interessanter Beitrag aus der Praxis, denn nur aus eigener Erfahrung lernt man wirklich dazu. Reduziere deine Ausrüstung und damit Gewicht und überlege dir was ich auf der bevorstehenden Reise fotografieren werde, da gebe ich dir recht. Was nützt mir eine lange und schwere Telebrennweite in einem Land wo ich wahrscheinlich keine entsprechenden Motive, ich meine hier vor allem Tiere, vor die Linse bekomme? Menschen kann man sich nähern, Tiere flüchten. Was nehme ich persönlich an Ausrüstung mit? Ich habe einen leicht anderen Ansatz, ich bevorzuge eine Kompakt oder Systemkamera mit Vollformat Sensor mit nur einer einzigen Brennweite. Dank dem grossen Sensor kann ich die Bilder in LR noch recht stark beschneiden ohne dass ein Qualitätsproblem auftritt. Vorzugsweise tendiere ich auf eine leichte Weitwinkel Brennweite, 28 oder 35mm, diese sind Lichtstark und sind sehr universell einsetzbar für Landschaften und Fotos in Städten, Dörfer und Menschengruppen. Ein Portrait wird schwieriger, das stimmt. Deshalb nehme ich, oder meine Partnerin, eine leichte, kleine Nikon Reflex im DX-Format mit. Dadurch verlängert sich das 50mm Objektiv zum 75mm. Geht es wohin wo es Fluchtobjekte zu fotografieren gibt, Tiere eben, kommt anstelle des 50mm das 70-200mm Zoom mit. Alles andere fotografiere ich mit der kompakten Vollformat mit 28mm Festbrennweite, die weil sie eben Kompakt ist eigentlich überall dabei ist.
    Gewichts mässig sprechen wir hier von 650gr (Kompakt) und 700gr (Reflex mit 50mm) verteilt auf zwei Personen. Verpackt in Rucksäcke und die Kamera zusätzlich in Kamera-Inlets von Artisan & Artist. Zum Schutz vor Regen verwende ich die Säcke von Exped. Diese lassen sich auch mal so verpackt mittels einer Kletter-Bandschlinge zum Bummel über die Schulter tragen.
    So nun wünsche ich weiterhin gute Reiseerlebnisse und tolle Berichte. Markus

  • Markus sagt:

    Hallo Nik
    Durch die riesige Fläche von 864 qmm des Sensors sind nachträgliche Ausschnitte Problemlos möglich. Ausserdem hat die Festbrennweite eine grosse Anfangsöffnung und keinerlei Schwächen wie dies Zooms oft an den beiden Enden haben. Das DX-Format an der Reflex hat schon seine Grenzen, aber es hilft mir im Telebereich die leichten Brennweiten um den Faktor 1.5 zu verlängern.
    Aber jedem seine Strategie, schlussendlich muss man die Bilder dann auch noch machen und dies zählt mehr als alles. Gruss, Markus

Hinterlasse einen Kommentar