Entstehungsgeschichte eines etwas anderem Fotos vom Taj Mahal – Ein gutes Beispiel für eine der wichtigsten Lektionen, die ich über Fotografie selbst gelernt habe.

Von der Theorie zu erzählen ist schön und gut. In meinen Entstehungsgeschichten zeige ich dir an Praxisbeispielen, wie ich die Theorie in der Praxis umgesetzt habe. Von der Idee bis zum finalen Foto. Heute eines der bekanntesten Fotomotive Indiens. Mit dem Ziel es etwas anders zu machen, als die Masse der Fotos im Internet: Das Taj Mahal.

Die Vorgeschichte

In Indien stand das Taj Mahal in Agra selbstverständlich auf meiner Shotlist. Das Taj ist eines der beliebtesten Fotomotive des Landes. Die Schwierigkeit war es ein Foto zu machen, dass anders ist als all die Masse der Aufnahmen, die man so kennt. Eine komplett neue Perspektive oder ungewöhnliche Zeit zu finden ist bei so oft fotografierten Motiven allerdings schwer geworden

Während meiner ersten Tage in Indien lernte ich Victor kennen. Er hatte einen Fahrer für eine Tour durch Rajasthan gebucht. Praktischerweise konnte er mich bis Jaipur mitnehmen. Von dort aus wollte ich in Richtung Süden weiter. Victor interessierte sich ebenfalls für Fotografie, was mir sehr entgegen kam. Einen “Foto-Buddy” zu haben motiviert mich dazu mehr und bewusster zu fotografieren. Unsere erste gemeinsame Station war Agra oder vielmehr: Das Taj Mahal.

Am frühen Abend standen wir das erste Mal vor dem Taj Mahal. Das Gebäude ist in der Realität noch wesentlich beeindruckender als auf Fotos. Da es zu einer der beliebtesten Touristen-Attraktionen ist, wird es tagsüber und vor allem bei Sonnenuntergang sehr voll auf dem Gelände. Mit einer Langzeitbelichtung könnte man die Menschen aus den Fotos heraus bekommen, jedoch sind Stative auf dem Gelände verboten. Ein Foto ohne Menschen zu machen ist daher ohne Tricks in der Nachbearbeitung unmöglich. Somit haben wir uns mit den Personen im Bild abgefunden oder diese sinnvoll in unsere Fotos eingebaut.

Das Taj Mahal aus der typischen Perspektive fotografiert. Schön, aber schon oft gesehen.
ISO 200 · 17mm · f/5.6 · 1/160s


Die Kamera vorsichtig an die Wasserkannte gehalten wird der Vordergrund deutlich interessanter.
ISO 200 · 12mm · f/5.6 · 1/160s

Bereits im Vorfeld wurde mir empfohlen das Taj Mahal bei Sonnenaufgang zu besuchen. Trotz doppeltem Eintrittspreis wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Da es mir morgens schwer fällt aus dem Bett zu steigen konnte ich Victor überzeugen sich mir für einen zweiten Besuch anzuschließen. Das motivierte mich, morgens tatsächlich aufzustehen. Da wir in verschiedenen Unterkünften waren, verabredeten wir uns am Haupteingang des Taj Mahal.

Um 5 Uhr 30 schmiss mich mein Wecker aus dem Bett. Pünktlich zu Sonnenaufgang stand ich vor dem sich öffnenden West-Tor des Taj Mahal. Das gesamte Gelände lag in einem leichten Nebel. Schlau wie ich war hatte ich noch mein Ministativ in der Tasche. Also nochmal das Gelände verlassen, das Stativ in einem Souvenirshop zur Aufbewahrung abgeben und mich erneut anstellen.

Vorteil durch Vorbereitung – Die Aufnahme

Am Vorabend hatte ich mir schon meinen Standpunkt für das Foto ausgesucht. Die meisten Besucher blieben am Eingang oben auf der Treppe stehen und fotografierten von dort. Mein Ziel war die kleine Brücke in der Mitte des Wasserlaufes. Victor war bereits dort und wartete auf mich.

Gerade bei Fotos zu Sonnenaufgang lohnt es sich interessante Locations schon vorab auszukundschaften. Das erspart dir den Druck morgens noch den richtigen Standort finden zu müssen.

Bevor ich auf Details wie Menschen im Bild achte, kümmere ich mich um die Kameraeinstellungen. Von groben Basiswerten ausgehend nehme ich die Feinjustierung vor. In diesem Fall habe ich mit einer Blende von 4.0 und ISO 200 gearbeitet. Für eine gute Belichtung ergab sich eine Belichtungszeit von 1/125s. Bei einer Brennweite von 12mm lässt sich damit problemlos freihändig arbeiten. Für eine optimalere Schärfe hätte ich die Blende weiter schließen können. Wieso ich das nicht habe? Was soll ich sagen? Vercheckt!

Indien

Das Foto - abgesehen vom Beschnitt - direkt aus der Kamera.
ISO 200 · 12mm · f/4 · 1/125s

Da das Taj Mahal gerade erst seine Tore geöffnet hatte, waren wenig Menschen in meinem Blickfeld auf dem Gelände unterwegs. Ich passte einen Moment ab, bei dem sich diese hinter Bäumen befanden und machte mein Foto. Anschließend ging es relativ schnell wieder zum Hostel: Frühstück!

Der übliche Prozess – Die Nachbearbeitung

Grundeinstellungen und Vorbereitung

Beim Import in Lightroom wende ich zwei Einstellungen automatisch an: Die Entfernung der chromatischen Aberration und die Auswahl des Olympus Vivid Kameraprofiles. Im Falle von Olympus ist die Objektiv-Profilkorrektur bereits in den Rohdaten enthalten und bleibt daher deaktiviert.

Bei der Entwicklung eines einzelnen Fotos fange ich immer mit dem Zuschnitt auf ein Format an, das mir gefällt. In diesem Fall ein 2:3 Format. Wie häufig muss ich auch meinen kleinen Knick in der Optik korrigieren. Absolut gerade ist der Horizont irgendwie selten.

Bildstimmung: Globale Entwicklung

Nach der Vorbereitung kommen alle Einstellungen, die sich auf das gesamte Bild auswirken. Hierbei konzentriere ich mich auf die generelle Bildstimmung. Die Betonung einzelner Bildbereiche kommt im nächsten Schritt.

Als erstes prüfe ich die Kameraprofile. Ich suche mir das Profil aus, welches mir als Ausgangsbasis am besten gefällt. In diesem Fall bleibe ich bei Vivid.

Um nicht jedes Profil in den Einstellungen einzeln anwählen zu müssen, habe ich mir Entwicklungseinstellungen für jedes Profil erstellt. Dadurch sehe ich die Unterschiede sobald ich die Maus über das Profil in der Vorlagenliste bewege und muss diese nicht einzeln durchklicken.

Da ich in RAW fotografiere, kümmere ich mich erst in der Nachbearbeitung um den Weißabgleich und stelle diesen in der Kamera auf AUTO. Dadurch entsprich die Farbtonung zur blauen oder goldenen Stunde oft nicht der Realität.

In den Grundeinstellungen gleiche ich das durch ein verschieben der Farbtemperatur wieder aus. Anschließend gebe ich dem Foto durch den üblichen Bogen in den Basiswerten mehr Tiefe und Kontrast. Mehr Klarheit und eine leichte Reduzierung von Kontrast und Sättigung sorgen für die richtige Bildstimmung.

Nur die Korrektur des Weißabgleichs macht schon einen riesigen Unterschied.

Durch eine leichte S-Kurve in der Gradationskurve wird das Foto kontrastreicher.

Betonung des Gebäudes: Lokale Anpassungen

Nach den globalen Einstellungen kommt die Betonung einzelner Bildbereiche. Viele hören mit nach der globalen Entwicklung in Lightroom auf. Die letzten Meter sollte man jedoch auch noch gehen.

Lokale Anpassungen in Lightroom kosten nicht viel Zeit und geben deinem Foto den letzten Schliff!

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Durch zwei Verlaufsfilter dunkel ich den Himmel in den oberen Rändern leicht ab. Im unteren Bereich ist mir das Foto dunkel genug. Durch die beiden Verläufe entsteht eine leichte Vignettierung. Diese konzentriert den Blick noch stärker auf das Gebäude.

Einer der Verläufe und seine Einstellungen

Abschließend betone ich die Struktur des Gebäudes. Dazu nutze ich einen Korrekturpinsel bestehend aus Kontrast, Klarheit und Schärfe. Mit einem geringen Fluss übertrage ich die Korrektur vorsichtig auf das Gebäude und die vorderen Türme.

Die Pinselkorrektur und ihre Einstellungen.

Letzte Feinjustierung

Der letzte Schritt in meinem Workflow ist die Korrektur von Störungen wie Sensorflecken und die Nachschärfung des Fotos. Die verwendeten Werte setze ich nach Augenmaß. Sensorflecken wurden in diesem Fall keine entfernt.

Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden und lass das Foto liegen. Das Verlangen das Ergebnis sofort zu veröffentlichen versuche ich so gut es geht zu unterdrücken. Mindestens einen Tag später schaue ich mir mit frischen Augen das Foto nochmal an. Oft nehme ich nochmal geringe Feinjustierungen vor. Manchmal saß man so lange vor dem Foto, dass das erste Ergebnis ein Hauch zu viel ist.

Das Endergebnis im Vergleich zum Ausgangsmaterial:

Indien Indien

Fazit

Wäre ich nur bei Sonnenuntergang am Taj Mahal gewesen, wäre kein Foto ohne Personen möglich gewesen. Ich hätte wesentlich länger für die Suche nach einer geeigneten Position verbracht und mich vermutlich mit der üblichen Perspektive von der Eingangstreppe der Tempelanlage zufrieden gegeben.

Da ich das Gelände am Vorabend gesehen hatte, konnte ich mich morgens voll und ganz auf das Foto konzentrieren. Dadurch ist die Entwicklung in Lightroom auch nichts Besonderes und entspricht in großen Teilen einer Standardentwicklung. Wenn du mehr über den Entwicklungsprozess eines Fotos lernen und deine Fotos verbessern willst, dann ist vielleicht mein individuelles Fotocoaching für dich interessant. Voranmeldungen sind noch ein paar Tage möglich. Danach bin ich vorerst zu.

Was hältst du von dem Ergebnis? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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