Wir kommen an einem so gut wie ausgestorbenen Flughafen an. Nicht nur wegen des Winters ist Berlin-Tempelhof nicht von Menschen übervölkert, wie man es normalerweise erwarten würde. Seit 2008 ist der ehemalige Flughafen stillgelegt. Da das Gelände weitestgehend frei zugänglich ist, ist es perfekt geeignet um sich das alte Terminalgebäude, das öffentlich zugängliche Flugfeld und das Luftbrücken-Denkmal vorzunehmen.

Das alte Terminalgebäude

Anfang des 20. Jahrhunderts wollte Hitler Berlin zu seiner Welthauptstadt Germania umformen und orientierte sich dabei am römischen Vorbild. Am ehemaligen Flughafen Tempelhof angekommen, steht man vor einem riesigen Gebäudekomplex. Nach der Erbauung war es eines der größten zusammenhängenden Gebäudekomplexe der Welt. Da das Gebäude inzwischen leer steht und ein wenig verfällt, erinnert es auch an den Schauplatz eines post-apokalyptischen Filmes.

Leider habe ich mich erst hinterher genauer über die Vorgeschichte des Flughafens informiert. Das Gelände wurde Anfang des letzten Jahrhunderts das erste Mal als Flughafen genutzt. Das bis heute dort stehende Gebäude wurde zu Beginn der Nazizeit gebaut. Der Tempelhofer Flughafen war zwar nicht Teil des geplanten Germanias, orientierte sich beim Neubau jedoch an den Ansprüchen der Nationalsozialisten. Das Gebäude ist in einer Bogenform gebaut. Die Front des monumentalen Bauwerkes ist von einer regelmäßigen, säulenähnlichen Struktur geprägt. Mich erinnerte es stark an die erwähnte römische Bauweise.

Tempelhofer Feld

Das Flugfeld des ehemaligen Flughafens ist öffentlich zugänglich und wird von der Bevölkerung für Freizeitaktivitäten aller Art genutzt. Man trifft alles vom Spaziergänger über den Inliner bis hin zum Kite-Surfer. Jeder nutzt das Gelände auf seine Weise und das finde ich genial. Sehr vorbildlich für Berlin! Da wird ein ehemaliger Flughafen nicht abgerissen um Platz für ein neues Bauprojekt zu schaffen. Da hat Berlin mit seinem neuen Flughafen sowieso schon genug zu tun. Stattdessen wird der Platz zu einem neuen riesigen Spielplatz für Groß und Klein. Daumen Hoch Berlin!

Auf dem Tempelhofer Feld hat sich unter anderem ein Garten-Projekt angesiedelt. Da wir in einer eher winterlichen Zeit da waren, war von Pflanzen nicht viel zu sehen. Nur ein Schild und verschiedene Kästen und Skulpturen deuteten auf den Garten hin. Wenn man allerdings im Internet bei einer Bildersuche nach dem Tempelhofer Feld sucht, dann kann man sich selber eine Vorstellung davon machen, wie das ganze im Sommer aussehen muss.

Platz der Luftbrücke

Wir kamen auch am Platz der Luftbrücke vorbei. Der Flughafen Berlin-Tempelhof wurde vor allem durch die Luftbrücke in der Nachkriegszeit zwischen 1948 und 1949 bekannt. Die Westalliierten nutzten den Flughafen in West-Berlin um die Stadt mit Nahrung, Versorgungsgütern und Brennstoff zu versorgen. Nötig wurde diese Luftbrücke, da die Zugänge auf dem Landweg von den sowjetischen Besatzern blockiert wurden.

Fazit

Es empfiehlt sich immer, dass man sich vor dem Besuch einer Stadt über die Vorgeschichte und interessanter Orte informiert. Für Fotografen hilft hier zur fotografischen Anregung auch die Bildersuche. Wenn man Hintergrundwissen zu seinen Motiven hat, kann man darauf beim Fotografieren Rücksicht nehmen. Ich beschaffe mir spätestens vor der Bearbeitung ein paar Informationen über meine Motive. Besser ist es natürlich schon vor der Foto-Tour. Man kann auch unvoreingenommen die Architektur fotografieren. Selbst dann wäre man in diesem Fall schnell dazu gekommen, dass dieses Gebäude keine Freundlichkeit ausstrahlt.

In Berlin gibt es noch viel mehr zu sehen. Leider fehlte mir die Zeit. Es wird noch mehr Besuche der Hauptstadt geben bei denen ich mir dann sicherlich auch andere Orte angucken werde. Leider erst kurz nach meinem Besuch in Berlin wurde auf 22places eine Liste mit interessanten Lost Places in Berlin und Umgebung veröffentlicht. Zum Teufelsberg wollten wir sowieso. Jetzt steht er auf der Berlin-Liste noch weiter oben.

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