Da bin ich also. Island. Die Insel von deren Besuch ich schon eine ganze Weile träume. Winter sollte es sein. Nordlichter will ich sehen. Durch Zufall bin ich die ersten 10 Tage auf einer Rundreise um die Insel. Mit die beliebteste Variante des Island-Besuchs. Reicht das, um behaupten zu können die Insel gesehen zu haben?

Die Temperaturen auf Island sind im Winter nicht so schlimm, wie man vermuten mag. Ja, es ist kalt. Gerade, wenn man vorher in Brasilien war. Aber mit der richtigen Ausstattung sind die Temperaturen kein Problem.

Nachdem ich den ersten Tag damit verbracht habe günstige Möglichkeiten zu suchen um auf Island herum zu kommen, wollte ich mir bei Couchsurfing eine Unterkunft für die erste Woche suchen und dann weiter Pläne schmieden. So bin ich auf die Couchsurfing-Events in Reykjavík gestoßen. Einige davon von anderen Reisenden, die Mitfahrer für eine Rundfahrt suchten. Hidde ist einer von ihnen. Gleich am nächsten Tag will er los. Erst den Golden Circle, dann für 10 Tage um die Insel. Perfekt für mich. Ich entscheide mich spontan dazu ihn anzuschreiben. Keine 24 Stunden später befinde ich mich auf meinem ersten Trip über Island. Ging schneller als erwartet.

Eine oder zwei Wochen entlang der Ring Road ist mit die beliebteste Tour auf Island. Die Straße ist das ganze Jahr über offen und weitestgehend gut ausgebaut. Sie geht durch alle Regionen außer dem Hochland. Doch was kann man in 10 Tagen alles tatsächlich sehen? Ich habe vorher Reisende getroffen, die kürzer unterwegs und der Meinung waren, es hätte gereicht.

Golden Circle

Der Golden Circle ist die 1-Tages-Touristen-Tour auf Island. Man sieht Wasserfälle, einen Geysir, historische Orte. Natur pur. Wir sind früh da um dem Touristenstrom vorweg zu fahren. Das Wetter ist regnerisch und wir befinden uns in der Nebensaison auf Island. Das spielt mir ganz gut in die Karten. So kommen wir am Wasserfall Gulfoss an und können ihn ganz alleine erkunden. Schon jetzt zeigt sich Islands Licht von seiner besten Seite.

Island

Der Hauptwasserfall des Gulfoss

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08:30 - Kurz nach unserer Ankunft kommt die Sonne über den Horizont.

Auch am Geysir ist wenig los. Als wir dort ankommen bietet sich uns ein lustiges Bild: Eine Reihe fachsimpelnder Fotografen steht mit ihren Stativen sauber aufgereiht am Geysir und wartet auf die Ausbrüche. Jeder versucht ein einzigartiges Bild zu bekommen. Ich auch, aus einer anderen Perspektive.

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Der Geysir beim Ausbruch. Rechts daneben: Die aufgereihten Fotografen.

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"Was untypisches!" denke ich - Google bringt mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

Den Abschluss unserer Golden Circle Tour macht Þingvellir. Gesprochen eher wie “Thinkwettlir”. Hier trafen sich früher die Einheimischen jährlich zu großen Versammlungen. Landschaftlich spektakulär ist der Nationalpark, da er sich inmitten einer Grabenzone befindet. Dort driften die tektonischen Platten der Erde auseinander und lassen einen Graben entstehen.

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Aussichtsplattform in Þingvellir

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Auch in Þingvellir: Wasserfälle

Island in 10 Tagen

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg die Westküste entlang durch Snaeffelsnes, drei Tagen durch die Westfjorde über Akureyri und Mývatn die Ostküste runter über Höfn und Vík zurück nach Reykjavík. Für mich ist es eine erste Orientierungstour und ich bin überwältigt. Manchmal fühlt man sich in einen Fantasy-Film versetzt so unreal wirkt die Landschaft.

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Hidde auf dem Berg

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Kratersee bei Mývaten


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Immer wieder halten wir an um Aussichten wie diese festzuhalten.

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Am touristischen Golden Circle sind die Wege oft gut bewestigt... und fotogen.


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Beeindruckende Landschaft

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Schwarze Strände - Sowas sieht man nicht oft...


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... wenn dann eine gelbe Regenjacke ins Bild kommt wirds richtig cool.

Die Landschaft, das Licht, die Natur und Menschen, die wir treffen, machen die Tour zu einem einmaligen Erlebnis. Ich sehe Nordlichter, atemberaubende Lichtspiele der Sonne, blau erstrahlendes Eis, riesige Gletscherzungen und Herbstlandschaften in den tollsten Farben. Für Landschaftsfotografen ein Traum. Mutter Natur lässt ganz schön die Sau raus!

Nordlichter

Die ersten Nordlichter – abgesehen von denen auf dem Hinflug – fotografiere ich unerwartet und ungeplant in dem schönen Örtchen Stykkishólmur in Snaeffelsnes an der Westküste. Eigentlich zum Fotografieren des Blutmondes bin ich am Leuchtturm. Solange das Mond-Spektakel nicht angefangen hat, will ich diesen fotografieren. Auf der Vorschau des Bildes sind Nordlichter und der große Wagen zu erkennen. Mit den eigenen Augen ist von den Nordlichtern nichts zu sehen und der große Wagen nur zufällig im Bild. Eines meiner Lieblingsbilder der Tour.

Nordlichter

Das erste Nordlicht zeigt sich schüchtern in Stykkishólmur

Leider folgt diesem wunderbaren Erlebnis ein Unglück. Der Wind bläst mein Stativ um und die Kamera fällt volle Kanne auf die Linse. Diese ist nun eher schlecht als recht brauchbar. Wir werden sehen, ob meine Versicherung sich darum kümmert. Merke: Stativ bei Wind mit einem Bein entgegen der Windrichtung stellen und Gewicht unter das Stativ hängen. So kann es schwerer um gepustet werden.

Auf der Farm Fjalladyrd, eine Stunde östlich von Mývatn, sehen wir nachts die ersten Nordlichter mit unseren eigenen Augen. Alles eher blasse Schleier, die man auch für seltsame Wolken halten könnte. Die Kamera bringt zum Vorschein, was wir erahnen: Wunderschöne Nordlichter.

Nordlichter

Auf der Farm sehen wir die ersten Nordlichter und ich mache ein weiteres meiner Lieblingsbilder.

Das große Erlebnis lässt auf der Tour auf sich warten. Erst am letzten Abend zurück in Reykjavík erleben wir das spektakuläre Schauspiel der Natur mit eigenen Augen. Eigentlich wollten wir einem Jazz-Konzert lauschen. Daraus wurden einer der besten Abende der Tour und ein perfekter Abschluss. Da ich auf dem Konzert nur die kleine PEN dabei habe, kann ich dieses Erlebnis nicht gut auf Fotos festhalten. Manchmal muss man Dinge mit den Augen genießen und in Erinnerung behalten.

Island

Island ist bekannt für seine gute Musikszene - ein Jazz-Konzert im KEX-Hostel.

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Leider noch das beste von dem Abend. Freihand geschossen.

Lichtschauspiele

Auf unserer Tour überrascht uns das Wetter andauernd mit einmaligen Lichtspielen. Immer wieder halten wir an um Fotos zu machen. Ich mache Fotos aus dem Beifahrerfenster während der Fahrt. Oft muss man nur abwarten. Wenn die Sonne durchbricht: Drauf halten. So einfach kann Fotografie sein!

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Der erste von vielen Regenbögen auf unserer Tour.

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Wenn die Sonne durch die Wolkendecke bricht zeigt sich einem so manches erstaunliches Bild.


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Die Straßen im Westfjord führen oft direkt entlang der Fjorde. Wenn die Sonne durchbricht ein Traummotiv.

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In der ferne erleuchtet die Sonne durch ein kleines Loch einen Berghang und die auf ihm festsitzende Wolke.

Wasser, Eis und Gletscher

Island, das bedeutet auch Wasserfälle. Der Gulfoss am Golden Circle ist bei weitem nicht der einzige. Island im Winter, das bedeutet vor allem auch Eis, Schnee und Gletscher. Wir sehen so viele Wasserfälle, dass wir irgendwann nicht mehr jeden mitnehmen und bestaunen. Wir gönnen uns nur noch die schönsten.

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Dynjandi - Einer der beeindruckenderen Wasserfälle. Der Parkplatz ist in unmittelbarer Nähe.

Alleine begeben wir uns im Westfjord auf eine Wanderung zum unteren Ende eines Gletschers. Wir betreten ihn nicht, da uns sowohl die Ausrüstung als auch die Erfahrung fehlt.

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Die Unterkante eines Gletschers. Hier fließt das Schmelzwasser in einen Fluss.

Kurz vor Abschluss der Rundreise fahren wir an einer Gletscher-Lagune vorbei. In diesen Gewässern an den Unterkanten einiger Gletscher sammeln sich abgebrochene Eisstücke des Gletschers. Auf Grund der Dichte des Eis hat dieses manchmal eine bläuliche Färbung. Trotz heftiger Regenfälle, lasse ich es mir nicht nehmen aus dem Auto auszusteigen. Die Kamera kann zeigen, wie wasserabweisend sie wirklich ist.

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In der Gletscherlagune treiben viele vom Gletscher abgebrochene Eisstücke.

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Das blau entsteht durch die hohe Dichte, die das Eis über die Jahre bekommen hat.

Das Thema Eis schließen wir mit einer geführten Gletscherwanderung ab. Unser Guide Juan ist Geologe aus Spanien und wohnt seit 3 Jahren auf Island. Er erzählt uns interessante Dinge über Gletscher. Von der Wanderung des Eis über die Entstehung der schwarzen Berge bis hin zu den hunderte Meter tiefen Löchern erzählt er uns alles, was wir wissen müssen und uns interessiert.

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Gletscherschuhe - Ohne sollte man keinen Gletscher besteigen.

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Unser Guide geht schon mal die Lage checken.

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Ein Loch mitten in der Gletscherdecke - Der Boden ist nicht zu sehen.

Reisebekanntschaften

Winter is coming!

Der Winter auf Island fängt gerade erst an. Dementsprechend trifft man relativ viele Reisende. Keine Ahnung, wie das später im Jahr werden wird.

Im Harbour Hostel in Stykkishólmur lernen wir Esra aus Stuttgart kennen, die uns am nächsten Tag auf unserer Tour durch Snaeffelsnes begleitet. Anschließend muss sie leider in Richtung Reykjavík zurück. Eine kurze und nette Bekanntschaft. Der Plan in deiner Bar “Milliways” in Stuttgart vorbei zu kommen steht!

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Selfie mit Esra

In Akureyri lernen wir drei Amerikanerinnen kennen. Von diesen bekommen wir den Tipp für die Farm östlich von Mývatn. Dort kommen wir die nächste Nacht unter und es ist spitzenmäßig. Danke für den Tipp!

In Vík lernen wir Clara und Sandra kennen. Zwei sehr sympathisch quirlige Mädels auf die ich im Bus Hostel in Reykavík wieder treffe. War mir eine Freude und vielleicht sieht man sich ja nochmal.

Ebenfalls in Vík lernen wir Claudia und Kavitha kennen. Claudia begleitet uns auf unserer Gletschertour. Mit den Mädels treffen wir uns am letzten Abend der Tour nochmal in Reykjavík für das Jazz-Konzert, welches sich dann zu einer ausgedehnten Nordlichter-Jagd entwickelte.

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Mit Claudia und Hidde nach der Gletschertour. Mensch sehen wir cool aus mit diesen Helmen!

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Schnappschuss mit Kavitha nach einer erfolglosen Nordlicht-Nacht.

Island in 10 Tagen – Pro und Contra

10 Tage entlang der Ring Road. Sieht man alles Wichtige? Lohnt sich das überhaupt? Ich würde sagen, dass du einiges sehen kannst, aber auch vieles verpasst. Unsere Rundreise war perfekt um die Insel kennen zu lernen. Das Hochland musst du separat bereisen oder auslassen. Dieses soll sich allerdings gerade für Landschaftsfotografie lohnen. Einen eigenen Eindruck muss ich mir von dieser Region noch machen.

Willst du eine kürzere Tour machen, so musst du weitere Regionen streichen. Viele lassen die Westfjorde weg. Meiner Meinung nach ein Fehler, denn dies ist eine der schönsten Regionen. Am letzten Tag gehen viele, wie wir auch, in die Blaue Lagune, einem Thermalbad. Wer Thermalbäder aus der Heimat kennt, wie ich aus Aachen, der wird enttäuscht sein. Außer einem großen Becken und hohen Preisen hat das Bad meiner Meinung nach nicht viel zu bieten. Anstatt der Westfjords würde ich diesen Besuch als erstes Streichen, für den viele gerne einen halben bis ganzen Tag einplanen.

Es ist nicht so, dass sich Island in einem solchen Zeitrahmen gar nicht lohnt. Im Rahmen eines Urlaubs kann man in zwei bis drei Wochen auf Island so viel unterschiedliche Landschaft erleben, wie es in anderen Ländern nur mit viel Zeit auf der Straße machbar ist. Auf Island kann man vieles schon schon mit 5 Tagen sehen. Je mehr Zeit du hast, desto mehr kannst du sehen. Logisch, oder?

Nach 10 Tagen sitze ich wieder im Bus Hostel in Reykjavík. Während wir auf der Rundreise wenige Nordlichter gesehen haben geht hier seit 3 Tagen jeden Abend die Post ab. Dazu ein anderes Mal mehr. Jetzt muss ich herausfinden, wie und wo ich als nächstes hin möchte. Ich habe das Luxus-Problem, dass ich deutlich länger hier bin als die meisten und noch nicht weiß, wie ich weiter reisen werde. Um dauerhaft in Hostels zu Leben ist Island jedoch eigentlich zu teuer. Lösungen sind in Arbeit. Nun erstmal Reykjavík ein wenig genießen.

Gefällt dir ein Foto besonders gut oder willst, dass ich einen Artikel darüber schreibe, was ich in der Nachbearbeitung gemacht habe? Oder willst du einfach auch mal was sagen?

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Abschließend noch ein paar Links zu weiterführenden Themen oder Seiten, die ich angesprochen habe.

Alle Beiträge aus Island

Technischer Kram

Bei meinen Fotografien kommt verschiedenste Ausrüstung zum Einsatz. Bei den hier gezeigten Aufnahmen habe ich die folgende Ausrüstung verwendet:

10 Kommentare

  • marten en tineke sagt:

    As parents of Hidde we love the picture ‘Hidde on the mountain”! We have hardly spoken him after his trip to Island because he went on to Kopenhagen, but we know he had a great time touring Island with you. Thank you for that and for the amazing pictures on your website! Enjoy your stay!

    • Niklas sagt:

      I have to thank your son that I chose me as his tour partner. I’m glad you like the pictures. Some whould not have been possible without him. No matter if it was “beeing the model” or “driving while I make a pictures as the co-driver”.

  • Hallo Niklas,

    ganz beeindruckende Fotos u.a. von Island! Ich war selbst auch 2x da (Sommer/Winter) – es ist ein faszinierendes Land! Ich war damals auch im Hochland und das ist nochmal eine besondere Facette dieser schönen Insel. Dir noch eine spannende weitere Reise!

    Lieben Gruß
    Reinhard
    (PS: habe den Link von Sandra erhalten)

  • Hallo Niklas,

    immer wieder schön, diese Trip-Reports von Ísland. Ich rette mich damit immer gerne bis zu meinem nächsten Ísland-Dasein.

    Danke für die Impressionen.

    Grüße

    Ralph

  • Steffen sagt:

    Servus. Sehr schöne Bilder und ein klasse Bericht von Island. Eines der Länder, die man immer wieder gerne bereist und immer wieder was neues sieht!

    Grüße aus München, Steffen

    • Niklas sagt:

      Hallo Steffen,

      Es freut mich, dass dir meine Fotos gefallen. Ich bin auch sehr fasziniert von Island. Ich vermute, dass ich eher früher als später wieder dort hin zurück werde. Wenn gleich auch keine drei Monate, wie beim ersten Mal :)

      Gruß,
      Niklas

  • Reto sagt:

    Hallo,
    sehr schöne Fotos. Nun meine Frage. Wo hast du das Foto geschossen mit dem Titel: Hidde auf dem Berg? Da muss ich unbedingt hin :) Ich liebe Berge und genau ein solches Foto wäre echt der Hammer.
    Danke und Gruss aus der Schweiz

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