Olinda – Diese Stadt hat mir wirklich nicht zu viel versprochen. Sie ist schön, zweifelsohne. Aber auch hier kommt natürlich alles anders, als geplant. Aber Pläne ändern, kann ich ja nun.

Auf nach Olinda

Nach ein paar regnerischen jedoch schönen Tagen auf Morro de São Paulo bin ich das erste Mal auf mich gestellt. Zuerst einmal bin ich kurz überfordert. Nun soll ich alles alleine entscheiden? Keiner der mich in der Entscheidung unterstützt? Ahhhh! Doch dann ist das nächste Ziel klar: Olinda. Die Nachbarstadt von Recife, der Hauptstadt Pernambucos. Letztere möchte ich möglichst meiden. Ich stehe einfach nicht auf Großstädte. Noch in Salvador erfahre ich von meiner kleinen Panne: Ich habe – abgesehen von der in meiner Kamera – alle meine Speicherkarten auf Morro de São Paulo vergessen. Der Versuch diese an der Fährstation entgegenzunehmen schlägt auch fehl. Also will ich sie mir nach Olinda schicken lassen.

Morgens nach dem Frühstück geht es mit dem Taxi zum Busbahnhof. Das Ticket habe ich vorab bei Clickbus reserviert. Dadurch muss im am Busbahnhof das Ticket nur noch am Schalter abholen. Wirklich Zeit spare ich nicht, habe jedoch den Platz sicher. Der unerwartet gemütliche Bus fährt mich in 16 Stunden von Salvador nach Recife. Morgens um 04:30 komme ich an. Da ich keine Lust habe mich mit dem Bus über Recife nach Olinda durchzuschlagen, nehme ich ein Taxi und lasse mich direkt vor dem Hostel absetzen.

Ein verschlafener Morgen

Das Alberge d’Olinda liegt in direkter Näher zur Altstadt nur wenige Meter von der Küste entfernt. Das Hostel ist mit 50R$ im Verhältnis zur Nega Maluca in Salvador sehr teuer. Eine Nacht bleibe ich jedoch hier, denke ich mir. Oder bis das Paket mit meinen Speicherkarten angekommen ist. Ich bin um 5 Uhr im Hostel und frage mich, ob ich mir nicht meine Kamera schnappen und direkt den Sonnenaufgang fotografieren gehen sollte. Da ich von der langen Fahrt absolut kaputt bin, entscheide ich mich dagegen. Stattdessen schlafe ich ein paar Stunden bevor ich zum Frühstück gegen 08:00 wieder aufstehe. Nach dem Frühstück will ich die Altstadt mit meiner Kamera erkunden. Doch natürlich kommt wieder alles anders. Aber seit Morro de São Paulo bin ich im Pläne umwerfen ja geübt.

Gemütlich nehme ich mir das einfache aber gute Frühstück vor und merke im Dialog mit der Angestellten, dass ich wohl noch nicht ganz wach bin. Die Frage “Você quer ovos?” – “Möchtest du Eier?” sollte ich eigentlich problemlos verstehen. Nach einem gefühlt ewigen hin und her verstehe ich, was sie will und verziehe mich mit meinem Teller etwas beschämt an den Tisch. Doch wach bin ich wohl nach wie vor nicht. Nach dem Frühstück kommt eine junge Frau auf mich zu und fragt mich wo das Frühstück sei. Ich lehne dankend ab und sage, dass ich schon gefrühstückt habe. Sie grinst und sagt, sie wolle wissen WO das Frühstück ist. So lerne ich Iany kennen.

Nachdem wir dieses Missverständnis aus der Welt geräumt haben und ich ihr sage, wo es das Frühstück gibt, unterhalten wir uns. Sie ist aus dem Süden Brasiliens und macht gerade Urlaub. Nach Olinda hat es sie verschlagen, weil sie gehört hat, dass die Altstadt sehr schön sein soll. Spontan entscheiden wir diese gemeinsam zu erkunden.

Erste Erkundung

Olinda

Schon nach ein paar Metern bestätigt sich unser Bild von Olinda. Vor uns steht auf einem Hügel die Igreja do Carmo. Wie die meisten Kirchen hier, ist auch diese im kolonialistischen Stil erbaut und entsprechend Alt. Für ihr Alter ist sie in einem sehr guten Zustand. In Salvador war das bei den kolonialistischen Gebäuden leider eher selten der Fall. In Olinda sind die meisten Gebäude jedoch in einem außerordentlich guten Zustand.

Weiter den Hügel hoch auf dem Olinda erbaut ist, fallen mir in einer Straße die bunten Häuser auf. Die gesamte Altstadt – oder zumindest große Teile davon – sind von diesen bunten Häusern geprägt. Halleluja! Das nenne ich mal ein farbenfrohes Stadtbild. Gefällt mir sehr und würde ich gerne mehr sehen.

Olinda

Wir machen einen Abstecher in eine Ausstellung voller als Frauen verkleideten Männerpuppen. Diese “Jungfrauen”, die als Frauen verkleideten Männer, ziehen zum Auftakt des Karnevals in Olinda durch die Stadt.

Olinda
Olinda

Die nächsten 2 Stunden sind wir dann erstmal damit beschäftigt uns zu Fuß auf den Weg zur Banco do Brasil zu machen. Iany hat irgendwo auf dem Weg ihre Bankkarte verloren und wir können sie nicht finden. In einem solchen Fall sollte man zur Sicherheit die Karte direkt sperren lassen. Der Weg zur Bank führt uns heraus aus der Altstadt in den Teil der Stadt, der ist wie die meisten brasilianischen Städte, die ich bisher gesehen habe. Viele kleine Läden reihen sich aneinander und wechseln sich mit gelegentlichen größeren Läden und verlassenen Gebäuden ab. Nach diesem kurzen Abstecher machen wir uns zurück auf den Weg in die Altstadt und erklimmen die Spitze des Berges auf dem Olinda erbaut ist. Von der Praça da Sé aus soll die Aussicht wunderbar sein. Wir werden nicht enttäuscht.

Olinda

Auch die hier stehende Igreja da Sé ist in einem guten Zustand. Nur die Fassade sieht nicht mehr ganz frisch aus.

Olinda

Wir gehen weiter die Stadt erkunden. Auf der Praça da Sé begegnen wir zwei Männern mit Gitarren. Iany erzählt mir, dass diese sich Repentistas nennen und Improvisationsmusik spielen. So würden sie mich vermutlich fragen, woher ich komme und dann über den Deutschen in Brasilien singen. In diesem Fall ergreift meine neue Begleitung allerdings die Initiative und spricht die Repentistas an. Kurz darauf bekommen wir ein Liedchen geträllert, dass ich zu diesem Zeitpunkt kaum verstehe. Iany scheint es jedoch lustig und gut zu finden.

Olinda

Nach diesem Liedchen machen wir uns auf die Suche nach einem Ort um Mittag zu essen. Wir werden in einem Lokal in der Rua Amparo fündig. Von außen strahlt es erstaunlich wenig davon aus, was uns innen erwarten sollte: Eine Terrasse mit dem wohl perfektesten Ausblick über Olinda. Sehr gutes Essen gab es obendrein. Ich bin so hin und weg von der Aussicht, dass ich sogar anscheinend vergesse ein Foto davon zu machen. Ich kann jedoch jedem einen Besuch des Restaurants in der “Rua Amparo” in der Nähe der “Igreja Nossa Senhora do Amparo” empfehlen. Nicht das günstigste Lokal, aber das Essen und der Ausblick sind jeden Cent wert.

Olinda

Zurück im Hostel erholen wir uns erstmal von dem langen Fußmarsch und entscheiden uns spontan am nächsten Tag einen Abstecher nach Porto de Galinhas zu machen. Wir beenden den Tag abends mit dem erfolglosen Versuch eine Forró Party ausfindig zu machen. Ein Deutscher der Forró tanzen kann? Das sollte natürlich direkt auf die Probe gestellt werden. Leider finden wir nichts, da es mitten in der Woche ist. Wir setzen uns also in ein Kaffee und lauschen gemütlich der brasilianischen Musik. Nicht zu ewig, denn am nächsten Tag werden wir schon um 07:00 abgeholt um nach Porto de Galinhas zu fahren. Soll schön dort sein!

Abstecher nach Porto de Galinhas

Am nächsten Tag geht es nach einem kurzen Frühstück nach Porto de Galinhas. An und für sich ist der Ort ganz nett. Mich störte nur die Tatsache, dass es der touristischste Ort ist, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe. So haben wir am Strand keine 5 Minuten Ruhe und werden ständig förmlich belästigt. Ich kann verstehen, wenn die Leute ihr Geld verdienen wollen, aber dass es auch unaufdringlicher geht, zeigen andere Badeorte Brasiliens. Der Strand ist schön, aber nichts Besonderes. So kommt es, dass ich bei diesem Abstecher nicht ein einziges Foto mache.

Zurück in Olinda

Am nächsten Morgen geht es zurück nach Olinda. Am Busbahnhof in Recife trennen sich die Wege von Iany und mir. Wieder eine sehr nette Bekanntschaft in Brasilien gemacht. Ich bin den restlichen Nachmittag damit beschäftigt meinen Weg zurück nach Olinda zu finden. Ich habe eine Sache vergessen: In Brasilien kommt man am einfachsten ans Ziel, wenn man sich durchfragt. Es sagt einem niemand, er weiß den Weg nicht. Man bekommt immer irgendeine mehr oder weniger richtige Antwort. Man muss also mehr als eine Person fragen um sicher an sein Ziel zu kommen. Nach knapp 3 Stunden für einen Weg von eigentlich 30 Minuten bin ich aber wieder im Hostel angekommen. Den Nachmittag verbringe ich damit mir meine nächste Station auszusuchen, komme jedoch zu keinem festen Entschluss. Abends – es ist Freitagabend – mache ich mich auf die Suche nach einer Forró Party. Nachdem ich erstmal spontan mit etwa 100 anderen Leuten einer umherziehenden Straßenband folge – so etwas habe ich auch bisher noch nicht erlebt – werde ich tatsächlich fündig. Nach ein paar Tänzen gehe ich müde nach Hause.

Olinda bei Sonnenuntergang

Am nächsten Tag verbringe ich die Mittagshitze damit mich für mein nächstes Ziel zu entscheiden und den Weg dorthin zu planen. Nach Praia Da Pipa kommt man relativ einfach mit dem Bus von Recife nach Natal und von dort mit einem weiteren Bus. Es soll auch kürzer gehen, aber diese Verbindung kommt mir irgendwie skurril vor. Nachdem diese Entscheidung fest steht, nutze ich den Nachmittag und die Zeit um den Sonnenuntergang herum um die Stadt in einem anderen Licht zu erkunden.

Etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang komme ich an der Praça da Sé an und mir fällt das relativ hohe Gebäude auf. Auf dem Dach sehe ich Menschen stehen. Es muss also einen Weg hoch geben. Auf dem höchsten Gebäude am höchsten Punkt der Stadt zu stehen ist sicherlich einen Blick wert. Dieser ist schnell gefunden: Ein Aufzug für 8R$. Relativ teuer, doch das ist es mir dieses Mal wert. Es scheint auch eine Treppe zu geben. Diese ist jedoch gesperrt. Oben vom Dach aus erlebe ich eine wunderschöne Aussicht auf Olinda bis nach Recife.

Olinda

Vereinzelt sieht man von hier aus auch verschiedenste Kolonialbauten zwischen Palmen stehen. Ein perfekter Ausblick zum Abschluss meines Trips nach Olinda.

Olinda
Olinda

Abschließend werde ich mit einem sehr schönen Sonnenuntergang über der Skyline von Recife und Olinda belohnt und schaue mir eine Quadrilha an. Eine Tanzaufführung, die während der Zeit des hier im Juni stattfindenden Festa Juninha getanzt wird. Ein Reiseabschnitt nimmt damit ein sehr schönes Ende.

Olinda
Olinda
Olinda

Neue Bekanntschaften

Zumindest fast. Da das Paket mit meinen Speicherkarten erst am letzten Tag meines Aufenthaltes im Hostel ankommt, bleibe ich die gesamte Zeit im relativ teurem Alberge d’Olinda. Aber auch das hat am Ende etwas Gutes, denn ich habe viele nette Bekanntschaften gemacht.

Am nächsten Morgen will ich eigentlich mit dem Taxi nach Recife zum Busbahnhof, da ich mir die Busfahrt alleine mit meinem schweren Gepäck nicht antun will. Abends lerne ich jedoch noch eine Gruppe Brasilianer im Hostel kennen und gehe mit diesen spontan etwas trinken. Einige dieser Brasilianer müssen am nächsten Morgen auch zum Busbahnhof nach Recife und so entscheiden wir uns gemeinsam mit dem Bus und der U-Bahn zu fahren. Nach ein paar Bier und einem lustigen Abend gehe ich zufrieden schlafen, da die Station Olinda damit ein voller Erfolg war und auch der Weg nach Pipa fest steht. Aber Pläne können sich ja jederzeit ändern…

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Bei meinen Fotografien kommt verschiedenste Ausrüstung zum Einsatz. Bei den hier gezeigten Aufnahmen habe ich die folgende Ausrüstung verwendet:

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