“Da findest du die schönsten Strände Brasiliens!” – Diese Aussage habe ich für viele Orte in Brasilien gehört. Pipa ist einer dieser Kandidaten. Viele ganz unterschiedliche Strände in nicht allzu weiter Entfernung zum Ort und die Möglichkeit Schildkröten und Delfine zu sehen.

Fahrt nach Pipa: Neue Freunde

Meine letzte Bekanntschaft aus Olinda bescherte mir eine Begleitung für den Weg zum Busbahnhof. Wir kommen problemlos und schnell an unserem Ziel an. Nicht zuletzt weil die Busse hier in einem Tempo fahren, dass es einen in den Kurven in die Sitze drückt. Am Busbahnhof in Recife hole ich mein Ticket nach Natal. Von dort aus soll es weiter nach Pipa gehen. Doch schon beim Einsteigen in den Bus werde ich vom Busfahrer gefragt, ob ich nach Pipa will. Einige andere im Bus wollen auch dort hin. Ich beschließe einfach der Menge zu folgen. Irgendjemand muss ja den Weg nach Pipa kennen.

In Goianinha werden wir direkt von Taxifahrern belagert, die einem eine “günstige” Fahrt für 50R$ direkt bis zum Hostel in Pipa anbieten wollen. Da wir 8 Personen sind, entscheiden wir uns für zwei Taxis. Nach ein paar Metern sind jedoch 5 Personen in ein Taxi verschwunden. Wir stehen zu dritt vor dem Taxi und überlegen uns, ob es uns das Wert ist. So lerne ich Gernot und Anderson kennen. Die beiden begleiten mich – auch wenn ich das jetzt noch nicht weiß – noch ein ganzes Stück auf meinem Weg.

Zu dritt ist uns das Taxi zu teuer. Wir beschließen also uns auf die Suche nach den ominösen “Bussen hinter der Kirche” zu machen. Diese sollen günstiger nach Pipa fahren. Auf dem Weg kommen wir ins Gespräch. Die beiden wollen in das Hostel, das ich mir ebenfalls ausgesucht habe: Das Sugar Cane Hostel. Dieses habe ich mir als ersten Anlaufpunkt heraus gesucht. Vollkommen problemlos finden wir die Busse und erfahren, dass eine Fahrt nach Pipa gerade einmal 2,75R$ – also umgerechnet etwa 1€ – kostet. Zwar nicht direkt bis zum Hostel, aber den Weg finden wir schon. Gepäck in den Bus und los geht die Fahrt. Irgendwann in Pipa angekommen ist das Hostel mit ein wenig durchfragen schnell gefunden.

In späteren Gesprächen erfahre ich die Geschichte von Gernot und Anderson: Gernot kommt aus Österreich und reist 3 Monate durch Brasilien. Seine Reise endet am 10. Juli in Manaus. Der Rückflug von Manaus ist bereits gebucht. Anderson kommt aus dem Süden Brasiliens und hatte eigentlich nur eine Woche Urlaub geplant. Kennen gelernt haben die beiden sich in einem Hostel in Rio. Wenn man als einziges für eine längere Zeit in einem Hostel bleibt, dann lernt man sich als “alte Hasen” irgendwann kennen. Anderson ist danach wie geplant nach Hause, blieb jedoch nicht dort. Er erledigt ein paar Dinge und kauft Ausrüstung und Proviant für die Chapada Diamantina. Ein Nationalpark, der auch noch auf meiner Liste steht. Seit diesem Zeitpunkt reisen die beiden zusammen. Nun – in Pipa – bin ich ein Teil dieser kleinen Gruppe.

In Pipa beschäftige ich mich am intensivsten mit der Fotografie bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Die Brasilianer haben für den Sonnenaufgang übrigens einen viel schöneren Namen: “Nascer do sol”. Wörtlich übersetzt bedeutet dies “Geburt der Sonne”. Diese Geburt zu sehen nehme ich mir für Pipa fest vor.

Erster Tag: Gemütlich am Strand

Beim Frühstück am ersten Tag lernen wir drei Däninnen kennen. Ich höre, dass diese Capoeira machen und auch in Pipa zum Training wollen. Ich beschließe mich ihnen am nächsten Tag anzuschließen.

Den ersten richtigen Tag in Pipa verbringen wir mit dem intensiven Testen des ersten Strandes. Da ich nun auch mein Aquapac* dabei habe, kann ich auch meine kleine Kamera* mit zum Strand nehmen. Am Vorabend habe ich von der Idee des Panorama-Selfies gelesen und probiere es direkt aus. Ich finde es eine schöne Idee, dass bei diesem Selfie nicht die Person im Vordergrund steht, sondern die Landschaft in der man sich befindet. Das Lächeln muss ich noch üben.

Pipa

Nachmittags erholen wir uns im Hostel von der ganzen Sonne. Abends gehen wir mit ein paar anderen aus dem Hostel im Ort Pizza essen. Die Brasilianer stellen sich gerne ihre Pizza aus verschiedenen Pizza-Arten zusammenstellen und teilen sich diese dann zu zweit. Für den abendlichen Hunger reicht es mir.

Am Abend beim Duschen fällt mir eine allergische Reaktion auf meiner Haut auf. Vermutlich von der Sonne. War wohl zu viel für den Anfang. Gut war es trotzdem.

Zweiter Tag: Ein malerischer Sonnenuntergang

Wegen der allergischen Reaktion bleibe ich am nächsten Tag tagsüber im Hostel und kümmere mich um ein paar Angelegenheiten. Abends wollen wir am Strand den Sonnenuntergang anschauen gehen. Natürlich nehme ich meine Kamera mit.

Am Strand ist gerade Flut und das Wasser zusammen mit der hohen Temperatur und Luftfeuchtigkeit haucht die Bucht in einen leichten Dunst. Das flache Licht des Sonnenuntergangs gibt den Rest dazu. Ein in der Ferne auf einem Stein sitzender Angler wird mein erstes Motiv des Abends.

Pipa

Im Anschluss mache ich noch ein paar Langzeitaufnahmen. Bei einer Langzeitbelichtung erzeugt die Gicht der Wellen einen nebligen Effekt. Genau der malerische Effekt, den ich haben will. Ein paar weiter vorne liegende Boote schwanken in den Wellen. Sie verschwimmen durch die Langzeitbelichtung zu einem nichts sagenden Brei. Ich retuschiere sie aus dem Bild heraus. Da die ganze Fotografie mehr einen künstlerischen als einen berichtenden Wert hat, finde ich es in diesem Fall ok.

Pipa

Kurz bevor die Sonne anfängt am Horizont zu verschwinden drehe ich die Kamera zur Seite und habe die Sonne direkt im Bild. Dabei gilt Vorsicht! Genau wie beim Fotografieren einer Sonnenfinsternis kann man der Kamera bei direkter Sonneneinstrahlung erheblichen Schaden zufügen. Kurz vor Sonnenuntergang jedoch kein Problem.

Durch die Sonne vor mir habe ich ein starkes Gegenlicht und kann ein paar Silhouettenaufnahmen der Menschen am Strand machen. Am Ende kann ich mich gar nicht entscheiden, welches Bild mir am besten gefällt.

Pipa
Pipa
Pipa

Nach Sonnenuntergang schließe ich mich den Däninnen beim abendlichen Training im ortsansässigen Capoeira-Verein an. Nach zwei Wochen endlich wieder ein Capoeira-Training zu haben tut verdammt gut.

Es gefällt uns gut in Pipa, daher entscheiden sowohl Gernot und Anderson als auch ich, länger dort zu bleiben. Wir reden jedoch schon darüber, was unsere nächsten Ziele sind. Ich will nach Jericoacoara, dem sogenannten “Backpackerparadies”. Die Beiden wollen eventuell noch einen Zwischenstopp einlegen, dann jedoch auch nach Jeri.

Dritter Tag: Schlechte Vorbereitung

Da mein Ausschlag noch nicht ganz weg ist, bleibe ich bis mittags im Hostel. Ich nutze die Zeit um mir auch die Fotos des Sonnenuntergangs vom Vortag vorzunehmen. Später suche ich Gernot und Anderson am Strand und finde sie gerade noch rechtzeitig um sie beim Rückweg abzufangen. Abends wollen wir uns den Sonnenuntergang an einem anderen Strand ansehen. Leider vergesse ich in PlanIt! für Fotografen zu prüfen, ob man dort den Sonnenuntergang sieht.

Der Strand liegt leider weiter weg. Als wir dort ankommen merken wir schon: Hier sieht man keinen Sonnenuntergang. Der Weg zu den anderen Stränden ist nun zu weit. Wir können in der Ferne eine Landspitze und ein paar Leute sehen. Dort hätten wir vermutlich hin gemusst. Aber auch dafür ist der Weg nun zu weit. Ich nehme mir die Umgebung vor. Eine für mich einsam wirkende Hütte wird mein Motiv.

Pipa

Für den nächsten Morgen nehme ich mir vor den Sonnenaufgang zu fotografieren. Gernot will auch mit. Erst danach schauen wir auf die Zeit. Sonnenaufgang ist um 5:15. Mit einem Stöhnen gehen wir nicht all zu spät schlafen.

Vierter Tag: Ein gelungener Abschluss

Am nächsten Morgen stehe ich um 4:30 auf und ziehe doch alleine los. Ist halt doch sehr früh. Die Anstrengung ist es jedoch wert und ich werde mit einem schönen Sonnenaufgang bei Flut und einem schönen Foto als Ergebnis belohnt.

Pipa

Anschließend gehe ich zurück ins Hostel und schlafe gute zwei Stunden in einer der Hängematten bevor es Frühstück gibt. Ich habe Geplant bis zum nächsten Tag zu bleiben und eine Busverbindung über Natal und Fortaleza nach Jericoacoara zu nehmen. Ich erfahre, dass Gernot und Anderson ebenfalls direkt nach Jeri wollen, jedoch schon heute. Ich beschließe, mich den beiden anzuschließen und somit planen wir die Reise zu unserer nächste Station gemeinsam.

Den restlichen Tag verbringen wir am “Praia dos Golfinhos”. An diesem Strand kann Delfinen sehen und mit ihnen schwimmen. Es ist gerade Ebbe und wir können am Strand entlang gehen. Auf dem Weg mache ich noch ein Foto des noch vom weichenden Wasser nassen Strandes und des sich darin spiegelnden Himmels

Pipa

Nach einer halben Stunde kommen wir am Strand an. Wir sehen zwar Delfine in der Bucht, kommen jedoch nicht direkt in ihre Nähe.

Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder am Hostel, packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg zum Bus. Pipa neigt sich damit dem Ende zu. Ich habe Weggefährten gefunden und wir begeben uns voller Vorfreude auf den Weg in Richtung Jericoacoara, von dem wir schon vieles gehört habe. Pipa war schon ein guter Anfang für das Leben abseits brasilianischer Städte. Schauen wir, was uns in Jericoacoara erwartet.

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Technischer Kram

Bei meinen Fotografien kommt verschiedenste Ausrüstung zum Einsatz. Bei den hier gezeigten Aufnahmen habe ich die folgende Ausrüstung verwendet:

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