Ihr habt alle mitbekommen, dass wir am Freitag eine partielle Sonnenfinsternis haben, oder? Wer sich das Spektakel ansehen oder fotografieren will und noch nichts vorbereitet hat, ist spät dran, aber dafür habt ihr ja mich! Ein paar Sicherheitshinweise, Tipps und Last-Minute-Lösungen für euch.

Bei uns fängt die Sonnenfinsternis kurz nach 09:30 an, wird etwa eine Stunde später ihre größte Abdeckung erreicht haben und gegen 11:40 wieder vollständig abgezogen sein. Leider wandert der Kernschatten – also der Bereich in dem man eine totale Sonnenfinsternis sehen kann – irgendwo durch die norwegische See. Hierzulande sieht man nur eine partielle Sonnenfinsternis. Gerade bei dieser sollte man aber ein paar Dinge beachten und nicht unvorbereitet ins Feld ziehen.

Vorbereitung

Am besten schaust du dir am Vortag an, wie das Wetter werden soll. Viel weiter im Voraus wird es mir für ein solches Ereignis zu ungenau. Wäre doch schade, wenn du im Haus geblieben bist, weil du der Vorschau vertraut hast, oder? Wolkenvorschauen bekommt man zum Beispiel bei MeteoX oder sogar auf der Seite der Tagesschau. Der deutsche Wetterdienst hat ein kurzes Video mit dem Wolkenbild an dem Tag veröffentlicht, dass dir hilft zu erahnen, ob du freie Sicht hast.

Wenn du nicht nur die Sonne, sondern auch die Landschaft fotografieren willst, dann solltest du möglichst genau wissen, wo sich die Sonne zum geplanten Zeitpunkt befindet, damit du dich vorbereiten kannst. Glücklicherweise kann man das sehr genau voraussagen. Genauer als Wolken und das Wetter! Dafür gibt es Apps für das Smartphone deiner Wahl. Ich verwende auf meinem Android die App “PlanIt! für Fotografen“. In der Bezahlversion sind Funktionen enthalten, die für bestimmte Tage, Uhrzeiten und Standorte die Richtung der Sonne anzeigen. Die App kann noch viel mehr, aber das ist die Funktion, die wir für Freitag brauchen.

Screenshot - PlanIt! für Fotografen Sonnenstand

Wenn du weißt, wo du die Sonnenfinsternis fotografieren willst, sind die Vorbereitungen aber noch nicht abgeschlossen. Du kannst nicht einfach so in die Sonne fotografieren. Außerdem solltest du ein paar Dinge zu deinem eigenen Schutz und dem deiner Kamera beachten.

Schutz vor der Sonne

Damit du und deine Kamera das ganze Ereignis ohne Schäden überstehen, musst du ein paar Dinge beachten. Du solltest die Sonne nicht unterschätzen, denn das Objektiv deiner Kamera wirkt wie eine Lupe. Du weißt sicherlich was passiert, wenn du eine Lupe auf ein Blatt Papier fokussierst. Das willst du deinen Augen oder deiner Kamera sicherlich nicht antun. Glaubt mir: Ich hab durch einen Unfall in meiner Kindheit ein beschädigtes Auge (eine andere Geschichte mit der die Sonne nichts zu tun hat) und das wollt ihr nicht. Also ein paar kurze Tipps für euch:

  • Schaue nicht ohne Schutz direkt in die Sonne.
    Wenn du direkt in die Sonne schaust, dann führt das zu erheblichen Schäden. Ich hab von einem Fall gehört, der nur noch 10% Sehkraft hat, weil er bei der Finsternis 1999 ein paar Sekunden lang ohne Schutz direkt in die Sonne geguckt hat.
  • Fotografiere nicht ohne Schutz direkt in die Sonne.
    Was für euer Auge gilt, gilt auch für eure Kamera. Bei einer Spiegelreflex-Kamera ist das vor allem wichtig, wenn ihr den LiveView-Modus aktiviert habt, da der Sensor ansonsten vom Spiegel verdeckt wird. Ihr solltet es aber tunlichst lassen, durch den Sucher in die Sonne zu gucken.
  • Schaue nicht ohne Schutz durch den Sucher einer Spiegelreflexkamera auf die Sonne.
    Spezielle Sonnenschutzfolien bieten Schutz, dann geht das. Aber schon wenn ihr nur euren ND-Filter verwendet, kann es gefährlich sein. Nagelt mich nicht drauf fest, aber mir wurde gesagt, dass dieser UV-Strahlungen nach wie vor durch lässt und diese das Auge schädigen. Ich kann diesen Tipp selber nicht verifizieren, aber bevor es mir schadet, befolge ich ihn doch lieber.
  • Verwende einen Sonnenschutzfilter.
    Es gibt spezielle Sonnenschutzfolien. Manchmal bekommt man die in Apotheken. Wenn eine Finsternis wie 1999 gehyped wird, eventuell sogar in jeder zweiten Zeitschrift. Eine Sonnenbrille reicht definitiv NICHT aus, also Finger weg davon!
  • Decke deine Kamera zwischen den Fotos ab.
    Durch die dauerhafte Sonneneinstrahlung erhitzt sich der Sensor und das mindert die Qualität der Bilder oder beschädigt den Sensor. Wenn ihr gerade keine Bilder macht deckt eure Kamera ab. Ein Tuch oder Pullover reicht aus.

Wenn ihr noch keine Sonnenschutzfolien habt, dann wird das für diese Sonnenfinsternis eventuell schwer. Es bleiben dir nur die folgenden Last-Minute-Lösungen.

Last-Minute-Lösungen

Um die Sonne zu fotografieren habt ihr eigentlich keine wirklich guten Alternativen zum Sonnenschutzfilter, sorry! Wenn ihr einen Graufilter (ND-Filter) habt, könnt ihr es mit diesem versuchen. Die Sonne ist allerdings sehr hell, also solltet ihr mindestens einen 1000fach ND Filter verwenden und diesem am besten mit einem weiteren Filter kombinieren.

Ich habe bisher keine Schutzfolie bekommen, also werde ich versuchen durch Kombination meines BW F-Pro 110 MRC 77mm mit meinem BW F-Pro 102 MRC 77mm auf eine 4000fache Belichtung zu kommen. Ich hoffe, dass ich damit Erfolg haben werde. Außerdem werde ich sicherheitshalber mit meiner Spiegelreflex und nicht der spiegellosen Systemkamera arbeiten. Bei dieser wird der Bildsensor nicht dauerhaft beschossen, wenn ich den LiveView nicht verwende und wenn sie einen Schaden davon trägt, ist es nicht so wild, da sie schon einer älteren Generation angehört.

Wenn ihr die Sonnenfinsternis nur beobachten wollt, dann habe ich zwei Videos für euch gefunden, wie ihr das mit ein wenig Bastelarbeit noch kurzfristig bewerkstelligen könnt. Ansonsten folgen nach den Videos noch ein paar Einstellungstipps.

Einstellungen für die Sonnenfinsternis

Als Basiseinstellungen würde ich mich den Empfehlungen von Gunter Wegner in seinem Artikel über die Sonnenfinsternis anschließen:

Blende 8, ISO 100, Belichtung niedrig anfangen und vor der Finsternis einpeilen. Ein guter Startwert ist hier 1/1000. Sobald die Sonnenfinsternis anfängt, muss man dann kürzere Belichtungszeiten einstellen, wenn man außer der Sonne auch die Landschaft fotografieren will. Durch die Finsternis nimmt die Helligkeit ab und die Landschaft wird dunkler. Achte darauf, dass du die Sonne nicht überbelichtest. Maximal 1/100 als Richtwert, damit die Sonne durch ihre Bewegung nicht verwischt. Wenn die Landschaft nicht hell genug ist, mache zwei Aufnahmen: Eine für die Sonne und eine für die Landschaft. Bei der für die Landschaft deckst du die Sonne mit der Hand ab. Diese zwei Bilder schneidest du dann später zu einer Komposition zusammen. Das Verfahren habe ich bei dem folgenden Bild meiner Grand-Canyon-Rundreise angewendet. Hier zum besseren Verständnis die Einzelbilder und das Endprodukt.

Landschaftsfotografie - Sonne - Fingertechnik
Landschaftsfotografie - Sonne - Fingertechnik
Grand Canyon - Abendsonne

Darüber hinaus solltet ihr natürlich ein Stativ und einen Fernauslöser verwenden. Bei einer Spiegelreflex-Kamera solltet ihr auch die Spiegelvorauslösung einschalten, damit durch das Umschlagen des Spiegels keine Vibration und damit Unschärfe im Bild entsteht. Alles klar? Dann kann es ja losgehen!

Auf gehts!

Kurzer Hinweis zum Schluss: Ja, es gibt hier bei uns in nächster Zeit keine Sonnenfinsternis mehr, aber wenn ihr eine fotografieren wollt, habt ihr theoretisch mehrmals im Jahr die Möglichkeit dazu. Also nicht traurig sein, wenn es dieses Mal nichts wird. Wenn du wirklich willst, ist das nicht die letzte Chance auf eine Sonnenfinsternis in deinem Leben. Wann und wo genau diese sind findest du als Einstieg über die Wikipedia-Übersichtsseite der Sonnenfinsternissen.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel helfen vielleicht doch noch was aus der Sonnenfinsternis am Freitag zu machen. Schnell den Artikel weiterschicken, damit auch andere davon noch kurzfristig profitieren können!

Technischer Kram

Hier meine Ausrüstung für die Sonnenfinsternis

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Abschließend noch ein paar Links zu weiterführenden Themen oder Seiten, die ich angesprochen habe.

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