“Das Backpackerparadies” steht in den meisten Reiseführern über Jericoacoara. Natürlich kann ich mir das nicht entgehen lassen. Ob ich der gleichen Meinung bin wie die Reiseführer wird sich dann zeigen.

Nach meinem Aufenthalt im schönen Pipa geht die Reise weiter in das angebliche Backpacker-Paradies Jericoacoara. Begleitet werde ich nun von Gernot und Anderson, die ich auf dem Weg nach Pipa kennen gelernt habe. Nach “Jeri”, wie Jericoacoara meistens nur genannt wird, kommt man von Pipa über Natal und Fortaleza. Nicht die kürzeste, aber die günstigste Strecke.

Erster Tag: Auf nach Jeri!

Schon am Busbahnhof in Natal fällt uns eine mit Rucksack bepackte junge Frau auf und wir vermuten, dass sie das gleiche Ziel hat wie wir. Nach einer langen Fahrt nach Fortaleza bestätigt sich diese Vermutung. Als wir vom Ticketschalter kommen steht besagte junge Dame vor uns. Ob wir auch nach Jericoacoara wollen, fragt sie uns und ob sie die 4 Stunden Wartezeit bis der Bus kommt mit uns verbringen kann. So lernen wir Elodie kennen. Sie kommt aus Frankreich und verbringt gerade ebenfalls knappe 3 Monate in Brasilien.

Jericoacoara

Nach vier Stunden Wartezeit kommt unser Bus. Dieser bringt uns in einen Ort von dem aus ein “Offroad-Bus” nochmal eine Stunde über eine Sandpiste nach Jeri fährt. Bis kurz vor Jeri geht alles gut. Wir können den Ort schon in der Ferne sehen. Dann bleibt der Bus stehen. Nichts geht mehr. Motor kaputt. Wir warten in der prallen Mittagshitze ab wie es weiter geht. Da Anderson Brasilianer ist und gut englisch spricht, ist die Kommunikation mit dem Busfahrt einfach. Nach wenigen Minuten kommen Buggys an, die uns für nur 20R$ bis zu unserer Unterkunft bringen wollen. Wir lehnen dankend ab, da wir nicht einsehen wegen der Panne nochmal zahlen zu sollen. Kurz darauf kommt der Transporter an, der uns und unser Gepäck dann vollkommen kostenfrei ebenfalls bis zu unserem Hostel, dem Hostel Tirol, bringt. Elodie ist in einem anderen Hostel untergebracht. Wir laden kurz unsere Sachen ab und begleiten sie zu ihrem.

Ich habe schon einiges über Jeri gehört. Die Straßen sind reine Sandwege, was einem den ganzen Tag das Gefühl gibt, man würde am Strand spazieren gehen. Auch über die “Duna do por do sol” habe ich schon einiges gelesen. Von dieser Düne aus kann man den Sonnenuntergang sehen. An einer Ostküste ist das nicht so häufig der Fall. Von dieser Aussage getrieben machen wir uns nach einem kurzen Abendessen direkt auf den Weg. Die Düne ist nicht zu verfehlen, denn kurz vor Sonnenuntergang gleicht sie einem Ameisenhaufen.

Jericoacoara

Den Sonnenuntergang kann man von der Düne aus wirklich gut sehen. Da der Himmel klar und zwischen Düne und Sonne nur das Meer liegt, finde ich den Sonnenuntergang an diesem Tag allerdings unspektakulär. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu müde um mich jetzt noch davon berauschen zu lassen. Darüber hinaus fegt auf der Spitze ein Sandsturm über den Boden, bei dem jede Kamera anfängt zu schreien. Man sollte also tunlichst vermeiden sein Objektiv zu wechseln und seine Kamera gut vor dem Sand schützen.

In dem Moment wo das letzte Stück Sonne untergeht, fangen auf einmal alle an zu klatschen. Überrascht klatsche ich einfach mit. Wir sind von der Busfahrt müde und entscheiden uns dafür, heute nichts mehr zu unternehmen. Wir organisieren uns noch einen Buggy der uns am nächsten Morgen zu einer Laguna in der Nähe bringen soll und gehen schlafen.

Zweiter Tag: Lagoa Paraíso

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir werden direkt am Hostel von einem Pickup abgeholt und fahren eine halbe Stunde über eine Sandpiste bis zur Lagoa Paraíso. Diese Lagune soll zauberhaft schön sein. Wir lassen uns an einem der an der Lagune liegenden Restaurants absetzen und verbringen hier den Tag. Da es in Jericoacoara mit der Kriminalität kein Problem sein soll, habe ich sogar beide Kameras inklusive Stativ in meinem Rucksack dabei. In einer Langzeitbelichtung stechen die Farben der Lagune richtig heraus.

Jericoacoara

Im Wasser an der Küste findet man überall in der Lagune Hängematten. Ich traue mich mit meiner Kamera ins Wasser und lasse mir dieses Bild nicht entgehen.

Jericoacoara

Ich gehe sogar mit den anderen zusammen ins Wasser und lasse meine Kameras an unserem Platz liegen. Später bekommen wir mit, dass einem Mädchen am Nebentisch wohl gerade die Tasche geklaut worden ist. Ich beschließe diesen Warnschuss zu verstehen und meine Wertsachen nie wieder unbeabsichtigt liegen zu lassen. Egal wie sicher ich mich fühle.

Am späten Nachmittag werden wir von unserem Pickup-Fahrer wieder abgeholt. Pünktlich zum Sonnenuntergang finden wir uns zusammen mit allen anderen wieder auf der Düne ein. Der Sonnenuntergang ist noch was hin. Die flache Sonne erzeugt auf dem Wasser in der Bucht ein Spiel aus Licht und Schatten. Wieder eine perfekte Situation für die von mir so geliebten Silhouetten.

Jericoacoara

Das sanfte Gegenlicht des Sonnenuntergangs lässt die auf der Düne sitzenden Personen in einem Lichtschein erstrahlen. Ein leichter Lichtsaum umgibt die Haare und die Schultern meiner neuen Reisebegleitung Elodie. Das Muster ihres Strandtuchs passt wunderbar zum Sonnenuntergang.

Jericoacoara

Kurz vor Sonnenuntergang wird es interessant auf dem Wasser. Zwei Kite-Surfer kreuzen den Weg und ich mache mich bereit. Als der letzte Zipfel der Sonne gerade noch zu sehen ist, befinden sie sich an genau dem Ort, an dem ich sie haben will.

Jericoacoara

Am Ende klatschen wieder alle und wir machen uns auf den Rückweg ins Dorf. Im Hostel treffen wir auf Patrick und Inês. Cousin und Cousine aus Kanada und der Schweiz. Wir kommen in Kontakt, da Gernot und Anderson – meine aktuellen Reisebegleiter – mit den beiden in Salvador im gleichen Hostel waren. Als Reisender an der Nordostküste Brasiliens sieht man sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mehrmals. Besonders, wenn man in die gleiche Richtung unterwegs ist. Von den beiden erfahren wir auch, dass man für 1200R$ von Jeri direkt mit einem Jeep bis in die Lençois Maranheses fahren kann. In den Jeep passen bis zu 6 Personen. Der Preisvorteil der komplizierten Busverbindung schwindet dahin. Wir entscheiden uns diese Reise am Montag gemeinsam anzutreten.

Abends essen wir noch mit einer Bekanntschaft aus dem Hostel. Lin kommt aus Israel und reist nach ihrem Militärdienst eine Zeit lang herum. In Israel sehr beliebt. Es ist interessant das Leben in und um Israel herum aus erster Hand erzählt zu bekommen. Wir machen uns noch auf die Suche nach der großen Strandparty, die heute stattfinden soll. Wir werden nicht fündig. Entweder verstecken sich alle, oder außerhalb der Saison ist die Party einfach nicht so groß. Nicht so schlimm für uns, wir fallen müde ins Bett.

Dritter Tag: Auf zum Pedra Furada

Am dritten Tag gehen wir alles entspannter an. Ein wenig entspannen im Hostel, in meinem Fall bloggen, ein wenig an den Strand. Abends machen wir uns vor Sonnenuntergang auf den Weg zu einem anderen Ort an dem man den Sonnenuntergang gut sehen kann. Der Pedra Furada ist eine Felswand in etwa 3km Entfernung zum Ort. Meine Lieblings-Fotoplanungs-App sagt mir, dass man den Sonnenuntergang durch dieses Loch hindurch sehen kann. Wir machen uns also auf den Weg.

Schon auf dem Weg merken wir: Wir haben diesen Ort nicht als einziges für den Sonnenuntergang im Auge. Etwa 20 andere Personen befinden sich ebenfalls auf dem Weg zum Pedra Furada. Am Ziel angekommen scheint es wirklich so, dass man den Sonnenuntergang sehr gut durch den Felsen sehen kann. Voraussetzung ist die richtige Position. Bevor der Platz vor dem Felsen überrannt ist, baue ich mich auf. Es wird dennoch schwer ein Bild ohne andere Menschen zu machen. Jeder will ein Selfie, ein Bild mit seinen Freunden, seinem Partner oder seiner Partnerin unter dem Bogen machen.

Jericoacoara

Ich kann es den anderen natürlich nicht übel nehmen. Sie sind prinzipiell ja aus dem gleichen Grund hier, wie ich. Ich übe mich in Geduld und hoffe meine Chance zu bekommen, bevor die Sonne untergeht. Falls nicht, habe ich schon einen Notfallplan bereit. Mit Photoshop kann man Photoshop kann man ganz leicht Personen aus mehreren Bildern herausretuschieren. Ich werde für mein Warten entlohnt und bekomme mein Bild auch so hin.

Jericoacoara

Ein wenig Ärger macht mir eine Verschmutzung meines Objektivs, dessen Grund ich vor Ort nicht genau feststellen kann. Viele meiner Aufnahmen sind daher leider unbrauchbar. Mir fällt das zum Glück noch rechtzeitig auf und ich tue mein Möglichstes um den Effekt einzugrenzen. Da es auch hier sehr windig ist, baue ich meine Kamera nicht auseinander um das Problem zu suchen. Nach Sonnenuntergang wird es schnell dunkel und wir machen uns auf den Rückweg.

Halte ich Jeri nun für das Backpacker-Paradies? Von dem was ich her gesehen habe, würde ich sagen: Nett, aber nicht das Paradies. Allerdings haben wir von den angebotenen Aktivitäten nicht allzu viele wahr genommen und waren nur recht kurz in Jericoacoara. Für Kite-Surfer und Strand-Freunde ist es sicherlich ein super Ziel. Auch für Backpacker sollte es auf der Liste der Pflichtziele stehen. Es gibt jedoch auch gute Paradies-Alternativen, wie Pipa, die ich jedem nur empfehlen kann.

Zurück im Ort gehen wir wieder etwas Essen und ich verbringe den Rest des Abends damit darauf zu kommen, dass die Verschmutzung durch Schmier auf der Objektivfront kommt. Man sollte eben nicht das gleiche Werkzeug zum Reinigen der Stativgewinde und des Objektivs nehmen. Nach intensiver Reinigung des Objektivs ist alles wieder in Ordnung. In Zukunft weiß ich das Problem zu verhindern. Ich gehe müde schlafen, denn am nächsten Morgen geht es früh mit dem Jeep in Richtung Lençois Maranhenses. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, wäre ich vermutlich früher schlafen gegangen.

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SIRUI K-20X*

Sirui K-20X Stativkopf (Alu, Wechselplatte TY-60) schwarz

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